Bitte um Hilfe? Zeugin schildert Gespräch mit Block-Tochter
Autor: dpa
, Mittwoch, 24. Juni 2026
Im Block-Prozess befragen die Anwälte die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei weiter. Sie schildert eine Aussage der Tochter - die Verteidigung möchte das aber so nicht stehenlassen.
Im Block-Prozess hat die Verteidigung die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei zu ihrem ersten Besuch bei der angeklagten Mutter nach der Entführung befragt. Am 3. Januar 2024 war die Polizei gemeinsam mit dem Jugendamt zum Wohnhaus der Unternehmerin Christina Block gefahren, um zu sehen, wie es dem zehnjährigen Jungen und dem 13-jährigen Mädchen geht. An dem Tag habe sie keine Hinweise gehabt, dass die Kinder nicht an diesem Ort sein wollen, sagte die Zeugin auf Nachfrage.
Die 44-Jährige fügte aber hinzu, dass die Tochter in einem späteren Gespräch in Dänemark am Rande einer Vernehmung einmal geäußert habe, warum sie damals nichts gesagt habe. «Ich dachte, Du glaubst mir sowieso nicht», habe das Mädchen ihr berichtet, erklärte die Hauptermittlungsführerin. Das Kind habe angegeben, schon vorher andere um Hilfe gebeten zu haben, sie sei entführt worden, sie wolle «hier raus». Aber niemand habe etwas getan.
Die Verteidigung erinnerte daraufhin daran, dass eine Mitarbeiterin des Jugendamtes als Zeugin bestritten habe, wie von dem Mädchen berichtet im Wohnhaus der Mutter um Hilfe gebeten worden zu sein. Auch ein Kinderpsychologe hatte das als Zeuge verneint.
Kinder sagen im Prozess nicht aus
Die Kinder selbst möchten im Prozess nach Angaben ihrer Anwältin nicht aussagen. Auf die Frage der Verteidiger, warum sich zu diesem Gespräch mit der Tochter nichts in den Akten der Ermittler finde, räumte die Zeugin ein: «Ja, hätte ich verschriftlichen müssen.»
Christina Block wird vorgeworfen, nach einem langen Sorgerechtsstreit einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die Kinder waren in der Silvesternacht 2023/24 in ein Auto gezerrt, erst auf einen Hof nach Süddeutschland und dann nach Hamburg gebracht worden.
In dem Prozess gibt es sechs Mitangeklagte. Darunter ist Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Alle Angeklagten bestreiten, etwas Unrechtes getan zu haben. Nur ein Israeli hat seine Beteiligung an der Entführung gestanden. Der 36-Jährige ist der einzige Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt.
«Meinem Mandanten ging es nur um die Kinder», sagte sein Verteidiger, Sascha Böttner, am 58. Prozesstag. Es sei vom Chef der mutmaßlichen Entführer, David Barkay, «massiver emotionaler Druck» ausgeübt worden. Er habe dem Angeklagten das Gefühl vermittelt, dass ohne ihn die Kinder nicht gerettet werden könnten.