Erdrutsch in Süditalien - Ein bekanntes Phänomen
Autor: Robert Messer, dpa
, Freitag, 10. April 2026
Der Erdrutsch in Petacciato ist großflächig und langsam, doch seine Wirkung ist massiv: Autobahn, Bahn und Häuser sind betroffen. Anwohner hatten das Ereignis kommen sehen.
Für die Menschen in Petacciato sind die Bewegungen der Erde in ihrem Ort kein neues Phänomen: Der Hang in dem Gebiet in der Region Molise in Süditalien gilt seit langem als instabil. Erdbewegungen wurden dort in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder registriert. Zuletzt war es ruhig, doch Unwetter mit heftigen Regenfällen haben die Erde Anfang der Woche wieder in Bewegung gesetzt und einen großflächigen Erdrutsch reaktiviert.
Seit 1906 gab es in der 3.500-Einwohner-Gemeinde an der Adriaküste mehr als ein Dutzend Erdrutsch-Episoden. «Hier sind wir alle mit dem Erdrutsch aufgewachsen», sagt Rosa Marcucci aus Petacciato der Zeitung «Corriere della Sera». Das gehe schon seit Jahren so. «Er bleibt 10 bis 15 Jahre ruhig und setzt sich dann wieder in Bewegung», versucht sie das Phänomen zu erklären. «Ich bin 75 Jahre alt, und das erste Mal habe ich ihn als Kind gesehen.»
Risse im Asphalt, verbogene Bahngleise
Am Dienstagmorgen war es wieder so weit. Die Erde setzte sich langsam in Bewegung und rückte in Richtung Meer vor. Risse in Straßen, verbogene Bahngleise sowie eine abgesunkene Erdfront waren die Folge. Wichtige Verkehrsverbindungen mussten vorübergehend gesperrt werden.
Ein Abschnitt der Autobahn A14, die den Norden Italiens mit dem äußersten Südosten des Landes verbindet, war vorerst auf beiden Seiten komplett gesperrt. Die Autobahn verläuft parallel zu einer Bahntrasse, die ebenfalls gesperrt werden musste. Die Regierung in Rom sprach von einem «faktisch in zwei Teile geteilten» Italien. Denn wegen einer bereits zuvor eingestürzten Brücke ist auch eine weitere parallel zum Meer laufende Staatsstraße gesperrt.
Autobahn und Bahnstrecke wieder freigegeben
Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt. Sowohl die Autobahn als auch die Bahnstrecke sind inzwischen wieder geöffnet. Zivilschutzchef Fabio Ciciliano gab zumindest im Hinblick auf die Dynamik des Erdrutsches Entwarnung.
Die Regierung in Rom rief am Donnerstagabend unter anderem für die Region Molise angesichts der schweren Unwetter und ihrer Auswirkungen den Notstand aus. Dies ist nach Naturereignissen oder -katastrophen ein gängiges Vorgehen. Dabei geht es vor allem darum, bürokratische Hürden für rasche Aufräumarbeiten aus dem Weg zu räumen und Gelder schneller freizumachen.
Bei einem Erdrutsch stellt man sich meist eine Front vor, von der Gestein und Erde herabstürzen oder herunterhängen - so wie im Januar in dem Ort Niscemi auf Sizilien, von wo aus die Bilder von Wohnhäusern am Abgrund, abgerissenen Straßen und lose heraushängenden Leitungen um die Welt gingen. Der Erdrutsch von Petacciato ist jedoch großflächiger und damit schwerer zu erkennen, außerdem bewegte sich die Erde langsam und nicht ruckhaft.