Erdmaterial des Gebietes ist tückisch
Der Geologe Francesco Fiorillo bezeichnet die Aktivität des Erdrutsches in Petacciato als besonders. «Seine Geschichte zeigt, dass es Aktivierungsphasen gibt, die von 10 bis 15 Jahren Stillstand unterbrochen werden. Die Phase der Reaktivierung dauert einige Stunden, höchstens ein oder zwei Tage, und dann kommt er wieder zum Stillstand», sagt Fiorillo dem «Corriere della Sera».
Das betroffene Gebiet erstreckt sich etwa vier Kilometer vom Norden der Gemeinde bis zum Meer. Die Landfläche besteht nach Angaben von Fiorillo aus einem älteren Fachartikel zu der Situation in Petacciato (2003) aus einer tief reichenden Tonschicht, über die sich im Laufe von Jahrtausenden härtere Sand- und Kiesschichten abgelagert haben. Auf der obersten, festeren Schicht wurde die Gemeinde Petacciato demnach über die Zeit errichtet und aufgebaut.
Die Tonschichten am Fuß des Hangs haben allerdings eine tückische Eigenschaft: Sobald sie Wasser aufnehmen, verlieren sie ihre eigentliche Festigkeit und werden zähflüssig. In Verbindung mit dem Gefälle des Geländes hin zum Meer kann dies die Reaktivierung von Erdrutschen begünstigen.
Kann ein Spezial-System die nächste Reaktivierung verhindern?
Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen und Tage werden also wahrscheinlich ihren Beitrag zu der jüngsten Reaktivierung des Erdrutsches geleistet haben. Aber nicht nur: Nach Angaben von Experten hängt die Reaktivierung auch von der Wassermenge ab, die sich in einer gesamten Saison durch Regenfälle über die Zeit im Untergrund angesammelt hat. Die jüngsten Unwetter könnten sprichwörtlich das Fass zum Überlaufen gebracht haben.
«Erdrutsche dieser Größenordnung lassen sich nicht aufhalten. Man muss mit ihnen leben», sagte der Präsident des Nationalen Instituts für Ozeanografie und experimentelle Geophysik (OGS) Nicola Casagli bei einer Anhörung im Rathaus von Petacciato. «Man kann das Risiko verringern, man kann damit leben, aber man kann es nicht lösen.» Komplex sei die Situation in dem Gebiet vor allem, weil es sich um einen Erdrutsch mit mehreren Schichten handelt, so Casagli.
Eine Möglichkeit, das Risiko zu mindern, könnte jedoch ein anderswo erprobtes spezielles System zur Stabilisierung des Erdmaterials mit Brunnen sein, meinen Experten. Dabei werden große Brunnen in der Erde errichtet, die das Wasser sammeln und letztlich ableiten. So soll verhindert werden, dass sich Wasser staut und der Erdrutsch erneut in Bewegung gerät.
Für die Einwohner von Petacciato war die jüngste Reaktivierung des Erdrutsches fast schon absehbar. Marcucci erzählte dem «Corriere della Sera», sie habe sich bei dem jüngsten heftigen Regen schon gedacht: «Es regnet zu viel, in diesen Tagen wird der Erdrutsch wieder aufwachen - und tatsächlich.»