Erdbeben in Kolumbien: Zwischen Hoffnung und Wiederaufbau
Autor: Philipp Znidar, dpa
, Freitag, 14. August 2026
Die Hoffnung auf Überlebende in den Trümmern schwindet. Gleichzeitig laufen in Kolumbien bereits die Vorbereitungen für den Wiederaufbau.
Zwischen Betonbrocken, verbogenen Stahlteilen und Staub suchen Helfer auch am vierten Tag nach dem Erdbeben in Kolumbien weiter nach möglichen Überlebenden. Über dem Trümmerfeld weht die kolumbianische Flagge, während sich die Helfer in der Großstadt Cali Stück für Stück durch die eingestürzten Gebäudeteile arbeiten. Doch mit jeder Stunde wird die Hoffnung kleiner, noch jemanden lebend aus den Trümmern zu bergen.
Derweil steigt die Zahl der Todesopfer weiter und liegt mittlerweile bei 285, wie die Katastrophenschutzbehörde UNGRD mitteilte. Mehr als 3.900 Menschen sind demnach verletzt worden, 379 gelten offiziell als vermisst.
Der Zeitraum von 72 Stunden, nach dem es erfahrungsgemäß deutlich unwahrscheinlicher wird, Überlebende aus den Trümmern zu retten, ist bereits verstrichen. Insgesamt sind mehr als 100.000 Menschen von dem Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen worden.
«Die Menschen hier halten sehr zusammen»
Neben den Bergungsarbeiten in den - nach den jüngsten Zahlen - rund 120 eingestürzten Gebäuden stehen nun der Wiederaufbau und die Unterstützung für die Betroffenen im Mittelpunkt. Menschen spenden Hilfsgüter, auch internationale humanitäre Hilfe kam in Kolumbien an.
Präsident Abelardo de la Espriella traf sich mit Bauunternehmern, um ihnen den Plan für den Wiederaufbau vorzulegen. «Wir haben der Branche einen Plan vorgeschlagen, den wir gemeinsam umsetzen werden, um Kolumbien wieder aufzubauen», sagte der Staatschef. Zehntausende Wohnungen wurden schwer beschädigt.
In Cali zeigt sich zugleich, wie groß die Bereitschaft zur Hilfe ist. Freiwillige laufen durch die betroffenen Gebiete und versorgen Helfer und Einsatzkräfte mit Wasser, Essen und anderen Dingen des täglichen Bedarfs. «Die Menschen hier halten sehr zusammen, immer - aber nach einer Katastrophe noch mehr», sagt ein freiwilliger Helfer der Deutschen Presse-Agentur.
Wiliam Fernandez, Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Cali, berichtet von langen Schlangen von Freiwilligen, die sich meldeten, um irgendwie zu helfen. Während die Rettungskräfte in den Trümmern nach Vermissten suchen, versuchten Bürger, den Betroffenen und den Helfern den Rücken freizuhalten.