Runkel trauert nach tödlichem Unfall in Lederfabrik
Autor: Alina Grünky, Christine Schultze (Text) und Sascha Ditscher (Foto)
, Freitag, 17. April 2026
Drei Tote, zwei lebensgefährlich Verletzte: Nach dem Unglück in der traditionsreichen Lederfabrik in Runkel herrscht Fassungslosigkeit. Angehörige und Behörden suchen nach Antworten.
Tag der Trauer in Runkel - der folgenschwere Arbeitsunfall mit drei Toten und zwei lebensgefährlich Verletzten in einer Lederfabrik hat viele Menschen in der Kleinstadt schockiert. Am Tag danach kamen immer wieder Angehörige und Freunde der Toten zu dem Firmengelände am Stadtrand, die das Unglück noch kaum fassen konnten. Auch zu einem weiteren Feuerwehreinsatz kam es am Nachmittag - vorsichtshalber.
«Nach dem Vorfall gestern ist heute bei den Ermittlungsarbeiten der Polizei ein Geruch aufgetreten, dessen Herkunft wir nicht bestimmen können», sagte der Sprecher der Feuerwehr der Stadt Runkel, Jörg Martin, der Deutschen Presse-Agentur. Um sicherzugehen, dass kein Gefahrstoff austritt, sei die Feuerwehr vor Ort und habe den Bereich weiträumig abgesperrt.
«Die Messkomponente des Landkreises Limburg-Weilburg ist jetzt da und misst das Gelände frei, ob und wie schädlich der Stoff ist, ob er überhaupt schädlich ist», erläuterte Martin. Mehr könne er derzeit nicht sagen. «Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme im Moment», erklärte er. Niemand sei beeinträchtigt worden.
Drei Tote aus Grube geborgen
Bei dem Arbeitsunfall in der Lederfabrik und Pelzgerberei in dem 9.500-Einwohner-Städtchen im Kreis Limburg-Weilburg waren am Donnerstagnachmittag drei Arbeiter im Alter von 38, 58 und 59 Jahren ums Leben gekommen. Die zwei lebensgefährlich Verletzten befanden sich nach Polizeiangaben auch am Folgetag noch in kritischem Zustand.
Kriminalpolizei ermittelt zur Todesursache
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen, wie das Polizeipräsidium Westhessen in der Nacht mitgeteilt hatte. Nun gehe es darum, die Todesursache zu klären. Im Zentrum der Ermittlungen stünden die Chemikalien in einer Grube, die nun untersucht werden müssten.
Am Morgen traf auch ein Spezialist des unter anderem für den Arbeitsschutz zuständigen Regierungspräsidiums (RP) Gießen vor Ort ein. Der Mitarbeiter des Dezernats für industrielles Abwasser, wassergefährdende Stoffe, Grundwasserschadensfälle, Altlasten und Bodenschutz wollte sich ein Bild von der Lage vor Ort verschaffen, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Gießen der dpa sagte.
Da bislang widersprüchliche Aussagen zum Arbeitsschutz vorlägen, werde der Vorfall weiter untersucht. «So ist noch völlig unklar, wer zuerst den betroffenen Schacht über eine Leiter betreten hatte», erklärte der RP-Sprecher. Auch die genauen Umstände, wie es zur Verkettung der Ereignisse kam, sei «aktuell weiter Gegenstand der polizeilichen und arbeitsschutzrechtlichen Ermittlungen». Das RP Gießen stehe in engem Kontakt zur Kriminalpolizei und weiteren Behörden.