Drogen, Waffen, Revierkämpfe: Türkische Banden in Berlin
Autor: Anne Pollmann und Andreas Rabenstein, dpa
, Samstag, 21. Februar 2026
Sie begehen Auftragsmorde, schmuggeln Waffen und Drogen und zeigen sich ungeniert im Internet. In der Türkei entstand eine neue Art von Gangs. Sie kämpfen nun auch in Berlin um Reviere.
Die Kugeln treffen Fensterscheiben von Bars und Türen von Restaurants in Berlin. Eine Handgranate explodiert spätnachts in einem leeren Nachtclub in Kreuzberg. Täter feuern auf das Einfamilienhaus eines wohlhabenden Vertreters der türkisch-kurdischen Szene. Immer wieder trifft es auch Menschen, die durch Schüsse verletzt werden. Das Landeskriminalamt (LKA) ist seit vorigem Jahr alarmiert: Die deutsche Hauptstadt ist Schauplatz eines Bandenkriegs, den die organisierte Kriminalität aus der Türkei nach Deutschland getragen hat.
Vor allem bei Ladenbesitzern mit türkischem Hintergrund herrscht Furcht. Berichtet wird von Drohanrufen. Wer kein «Schutzgeld» zahlt, werde bestraft, heißt es. Kaum ein Opfer geht zur Polizei.
Neue Bedrohungslage - Auftragstäter werden eingeflogen
Die Akteure aus der Türkei drängen außerdem in den lukrativen Drogenhandel. Fast jede Woche berichtet die Polizei von Gewaltvorfällen in der Parallelwelt der Revierkämpfe. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) nannte es eine neue Bedrohungslage. «Wir sehen inzwischen rivalisierende Banden, die auf Berlins Straßen sichtbar Gewalt einsetzen, sei es durch Handgranatenwürfe auf Lokale, sei es durch Schüsse auf Menschen, Fahrzeuge und auch Gebäude», sagte sie dem Sender RBB.
2025 zählte die Polizei 543 Fälle, in denen geschossen wurde. Dazu kamen 629 Fälle von Drohungen mit einer Schusswaffe. Im Jahr 2024 waren es einige hundert Fälle weniger - 363 Mal wurde geschossen und 303 Mal gedroht.
Vor allem türkisch-kurdische Banden liefern sich diese Drohungen und Kämpfe. Dafür werden sogar gezielt Täter eingeflogen, erklärte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel kürzlich. «Sie reisen kurzfristig mit einem Touristenvisum ein und begehen dann hier Straftaten, für die sie Aufträge erhalten haben.» Sie verschwänden nach ihren Taten schnell wieder.
Banden in Istanbul mit tausend Mitgliedern
Was gerade in Deutschland und speziell Berlin Fuß fassen will, ist in der Türkei schon länger ein großes Problem: Straßenbanden der «neuen Generation», die durch Erpressung, Drogen- und Waffenschmuggel erstarkt sind, so der Journalist und Autor Osman Cakli. Darunter sind die Daltons - diesen Namen trugen eine historische Bande sowie Gangster-Brüder in den «Lucky Luke»-Comics. Bekannt sind sie für ihr brutales Vorgehen und die Rekrutierung junger Mitglieder über die Internet-Medien.
Diese Banden haben wie ähnliche Gruppierungen in Mittel- und Südamerika besonders bei jungen Männern Zulauf. Aus Gerichtsakten zu einem Prozess gegen die Daltons geht hervor, dass vornehmlich Männer von 15 bis 20 Jahren rekrutiert werden. Aber auch immer mehr junge Frauen würden Teil der Banden. Laut Cakli sollen es allein in Istanbul mit seinen gut 15 Millionen Einwohnern 1.000 bewaffnete Mitglieder sein. In einem laufenden Prozess gegen die berüchtigte Bande Casper sind rund 70 Minderjährige angeklagt.