Der schwierige Weg zur Wahrheit - ein Jahr Block-Prozess
Autor: Stephanie Lettgen (Text) und Marcus Brandt (Fotos), dpa
, Freitag, 10. Juli 2026
Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht Hamburg der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. Was 63 Verhandlungstage später immer noch offen ist.
Wer hat den Auftrag zur Entführung der Kinder der Unternehmerin Christina Block gegeben? Die Mutter selbst, der Anwalt der Familie, eine ganz andere Person oder handelten die Täter gar auf eigene Faust? Seit einem Jahr versucht das Landgericht Hamburg die Ereignisse in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark juristisch aufzuarbeiten.
63 Prozessetage sind vergangen. Dutzende Zeugen wurden befragt. Verteidiger und Nebenklage stellten unzählige Anträge. Sechs der sieben Angeklagten weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Der Vorwurf der Lüge wurde von unterschiedlichen Seiten schon mehrmals erhoben. Weiterhin ist unklar: Wer sagt die Wahrheit?
Was steht noch aus, bis ein Urteil fällt?
Nach mehr als zwei Wochen Pause soll der Prozess Ende Juli mit der Befragung der forensisch-jugendpsychiatrischen Sachverständigen fortgesetzt werden. Das mit Spannung erwartete Gutachten will klären, wie stark die Folgen der Entführung für die seelische Entwicklung der Kinder ist.
Im August sind dann noch einmal sechs Verhandlungstage für die Befragung der Hauptermittlerin der Hamburger Polizei reserviert. Verteidigung und Staatsanwaltschaft könnten jederzeit neue Anträge stellen. Insgesamt hat die Kammer rund 100 Prozesstage bis Jahresende angesetzt. Ob sie alle gebraucht werden, ist offen.
Wer sind die Angeklagten?
Christina Block (53), der langjährige Anwalt der Familie, Andreas Costard (64), und ein 36-jähriger Israeli sind die Hauptangeklagten. Block und Costard sollen einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung der Kinder vom dänischen Wohnort des Vaters erteilt haben. Vier weitere Angeklagte - Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, sowie ein deutscher Sicherheitsunternehmer und ein Ehepaar - stehen wegen Beihilfe vor Gericht.
Alle Angeklagten bestreiten, etwas Unrechtes getan zu haben - bis auf den Israeli. Der 36-Jährige betont allerdings, er glaubte, als Held an einer Rettungsaktion teilzunehmen. Für alle Beschuldigten in dem spektakulären Fall gilt die Unschuldsvermutung.