Der Pyjama als Alltagsoutfit: Mode war nie bequemer
Autor: Simone Mayer, dpa
, Montag, 22. Juni 2026
Wer modisch sein will, trägt jetzt Pyjamas am Tag und draußen. Weit verbreitet bieten Modefirmen Schlafanzüge als Alltagskleidung an. Was steckt hinter dem Trend?
Der Gemütlichkeitstrend in der Mode hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Angesagt - und das in der breiten Masse - sind Kleidungsstücke im Stil von Pyjama und Nachthemd. Das könnte verwundern auf den ersten Blick. Allerdings gibt es ein paar gute Gründe dafür, warum ausgerechnet das so gekommen ist.
Zu stilvoll fürs Bett
Es liegt optisch so nahe, manche Pyjama-Varianten nicht im dunklen Schlafzimmer zu verstecken: Es handelt sich ja schließlich um Hemden und weich fließende, schickere Hosen, oftmals gar aus schimmernder Seide und herrlichem Samt. Aufwendige Paspelnähte und eine Brusttasche am Hemd (wie die fürs Einstecktuch) haben vermutlich schon immer manchen verwundert: Wofür braucht man die zum Schlafen?
Und überhaupt, die Nadelstreifen: So manche zweiteilige Schlafanzug-Kombination erinnert gar an einen schicken Anzug eines erhabenen Mafiosos oder die Oberteile an das beste Sonntagshemd. Negligés und Babydolls sind oft mit Spitzen besetzt.
Sie alle gibt es nun - auf dem Laufsteg und in der Werbung deutlich für den Alltag am Tag im und außer Haus statt fürs Schlafen beworben - bei den gängigen Marken für den breiten Markt, aber auch von den großen Modehäusern. Prada, Michael Kors und Dolce & Gabbana, um nur ein paar zu nennen.
Für die Modezeitschrift «Elle» sind übrigens die Pyjamahosen gar «der Hosentrend im Sommer 2026». «Pyjama Pants sind die vielleicht bequemsten, luftigsten und wandelbarsten Hosen in diesem Jahr. Sie machen extrem viel Spaß, sehen gut aus und lassen sich maximal angenehm tragen – mehr kann man von einer Hose nun wirklich nicht erwarten», so die Analyse der Modeexperten.
Eine grenzenlose Mode
Warum ist ausgerechnet ein Bett-Look so beliebt geworden? «Der Pyjama-Look negiert die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit, privat und öffentlich, drinnen und draußen und signalisiert damit, dass man ein Leben führt, in dem diese Grenzen nicht existieren», erläutert Carl Tillessen, Trendanalyst und Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln.
Von so einem Leben träumten seiner Meinung nach viele Menschen. Mit einem «Job mit 100 Prozent Home-Office, 100 Prozent Gleitzeit, ohne repräsentative Verpflichtungen und ohne Kleidervorschriften – das Ganze am besten noch in Breitengraden, in denen das Klima draußen genauso mild ist wie drinnen», führt Tillessen aus.