Crans-Montana: Warum Überlebende ersten Prognosen trotzen
Autor: Christiane Oelrich und Rachel Sommer, dpa
, Freitag, 30. Januar 2026
Fischhaut aus Island, Hightech-Gewebe aus Zürich, Wurm-Gel aus Frankreich: Diverse Innovationen retten Brandopfern von Crans-Montana das Leben. Experten sprechen von einem «Gamechanger».
Einen Monat ist die Katastrophe von Crans-Montana nun her, und selbst Mediziner sind erstaunt: Die Zahl der Toten ist seit dem verheerenden Brand in der Neujahrsnacht nicht gestiegen. 40 überwiegend junge Menschen kamen damals um, viele der gut 80 teils schwer verbrannten jungen Menschen hatten zunächst keine guten Überlebenschancen.
«Wir waren positiv überrascht», sagt Frank Siemers, der bisherige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist davon auszugehen, dass viele großflächig verletzt wurden, 60 oder 70 Prozent. Dazu kam der Rauch, womöglich toxische Substanzen - das bedeutet ein hohes Risiko, dass sie das nicht überleben.»
Der tödliche Brand
Rückblende: Funkensprühende Partyfontänen haben in der Neujahrsnacht in einer Bar in dem Schweizer Ort einen Brand entfacht. Die Flammen breiteten sich rasant aus, viele Menschen kamen über die enge Treppe aus dem Kellergeschoss nicht mehr rechtzeitig ins Freie. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung sowie Brandstiftung.
Dass die Verletzten die erste kritische Phase überlebten, verdanken sie mehreren Faktoren, sagt Siemers. Sie seien überwiegend jung, ihr Immunsystem intakt. Sie seien zudem in den ersten Stunden sehr gut versorgt worden, etwa mit lebenswichtigen Infusionen, um Herz- und Kreislaufversagen zu verhindern. Und die Schweizer hätten sehr schnell spezialisierte Kliniken in Nachbarländern gebeten, Patienten aufzunehmen, auch in Deutschland.
Weiter kritische Phasen für Patienten
«Viele haben die erste kritische Phase überstanden und sind erst einmal über den Berg, aber es gibt in diesen Wochen immer noch kritische Phasen», sagt Siemers. «Nach den Operationen zum Abtragen der verbrannten Haut müssen die großen Wundflächen verschlossen werden, damit keine Keime eintreten.»
Viele Schwerverletzte dürften Wochen oder Monate im Krankenhaus liegen. Um die Privatsphäre zu schützen, machen Kliniken keine Angaben über Fortschritte ihrer Patienten. Lediglich das Universitäts-Kinderspital Zürich sagt auf Anfrage, das von seinen fünf Patienten aus Crans-Montana diese Woche noch zwei auf der Intensivstation waren. Im Zentrum für Brandverletzte der Uniklinik CHUV in Lausanne werden nach wie vor neun Patienten behandelt.
«Es hat sich in den vergangenen 10, 20 Jahren enorm viel getan, was die Überlebenschancen deutlich verbessert hat», sagt Siemers. Eine Auswahl: