Gewalt gegen Frauen - und was die Politik dagegen tut
Autor: Jörg Ratzsch, dpa
, Freitag, 21. November 2025
Neue Zahlen zeigen einen Anstieg registrierter Gewalttaten gegen Frauen. Was sagen die Daten aus und welche Gegenmaßnahmen ergreift die Politik?
308 getötete Frauen und Mädchen, 53.451 weibliche Opfer von Sexualstraftaten und 187.128 weibliche Opfer häuslicher Gewalt - in Berlin vorgelegte Zahlen der Ermittlungsbehörden für das vergangene Jahr aus den Bereichen häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen klingen erschreckend. Fast überall gab es Anstiege. Doch was sagen die Zahlen aus, wenn viele Taten im Dunkeln bleiben? Und welche Gegenmaßnahmen ergreift die Politik?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich bei der Vorlage der Zahlen selbstkritisch. Die Politik tue nicht genug. «Da muss deutlich mehr kommen», sagte er. Die Bundesregierung habe sich das vorgenommen. Familienministerin Karin Prien (CDU) ergänzte: «Es ist alles immer noch nicht genug, solange auch nur eine Frau, auch nur ein Kind Opfer von Gewalt oder sexualisierter Gewalt wird.»
Die Zahlen
308 Frauen und Mädchen wurden 2024 gewaltsam getötet (32 weniger als 2023), 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder. In allen anderen Bereichen gab es einen Anstieg:
- 53.451 Frauen wurden Opfer von Sexualstraftaten (plus 2,1 Prozent), fast die Hälfte aller Opfer war unter 18 Jahren alt
- 187.128 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt (plus 3,5 Prozent)
- 18.224 Frauen wurden Opfer von digitaler Gewalt, wie Nötigung, Bedrohung oder Stalking (plus 6 Prozent)
- 593 Frauen wurden Opfer von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung (plus 0,3 Prozent)
Die Kriminalstatistik zeigt nur Fälle, die den Ermittlern auch bekanntwerden. Der gemessene Anstieg kann also damit zusammenhängen, dass es tatsächlich mehr Taten gibt, aber auch damit, dass Menschen verstärkt Taten anzeigen. Man könne das nicht abschließend sagen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch. «Die Vermutung ist, teils, teils.»
Politisch sind einige Vorhaben in der Planung und schon beschlossen, um Gewalttaten gegen Frauen zu begegnen.
Elektronische Fußfessel
Das Bundeskabinett hat erst am Mittwoch einen Gesetzentwurf für eine sogenannte elektronische Fußfessel beschlossen. Künftig können Familiengerichte bei gewalttätigen Ex-Partnern das Tragen einer solchen elektronische Aufenthaltsüberwachung anordnen, damit diese sich an Auflagen halten, sich nicht zu nähern. Dies schaffe neue Schutzräume, sagte Dobrindt.