Attacke bei Kontrolle – Bahnmitarbeiter kämpft ums Überleben
Autor: Anika von Greve-Dierfeld und Aleksandra Bakmaz, dpa
, Sonntag, 19. Juli 2026
Ein Bahnmitarbeiter wird von einem Fahrgast derart heftig attackiert, dass er aus einem 120 km/h schnellen Zug stürzt. Der mutmaßliche Täter ist auf freiem Fuß.
Eine einfache Ticketkontrolle endet in einem Alptraum: Ein 26 Jahre alter Bahnmitarbeiter ist infolge einer Attacke in einem Regionalzug lebensgefährlich verletzt worden. Ein 36-jähriger Fahrgast soll den Sicherheitsmitarbeiter geschlagen und getreten haben. Wenige Augenblicke später stürzte der junge Mann aus dem rund 120 Stundenkilometer schnellen Zug.
Angriff bei Ticketkontrolle eskaliert
Nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war der 26-jährige Sicherheitsmitarbeiter am Freitagabend gemeinsam mit einem Kollegen zu einer Ticketkontrolle gerufen worden. Der Fahrgast soll sich geweigert haben, seine Personalien anzugeben und den Zug zu verlassen. Der Mann, der wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist und sich auf Bewährung befand, soll zudem alkoholisiert gewesen sein.
Die Situation eskalierte. Nach Angaben der Ermittler schlug der Mann mit Fäusten auf den Sicherheitsmitarbeiter ein und trat nach ihm. Während des Gerangels prallten beide mehrmals gegen eine Zugtür. Nach bisherigem Stand könnte diese dadurch beschädigt worden sein, ohne dass dies zunächst jemand bemerkte.
Tür gibt plötzlich nach
Als der Sicherheitsmitarbeiter den am Boden liegenden Mann wieder hochziehen wollte, soll dieser ihm einen heftigen Tritt versetzt haben. Der 26-Jährige stürzte rückwärts gegen die Tür. Sie gab nach. Nach Angaben der Ermittler fiel der Bahnmitarbeiter durch einen Spalt aus dem fahrenden Regionalzug.
Nach einer kurzen Suche wurde er neben den Gleisen schwerst verletzt gefunden. Er kam in eine Klinik. Sein Zustand sei stabil, aber weiter kritisch, sagte ein Polizeisprecher am Samstag.
Warum sich die Tür öffnete, ist bislang ungeklärt. Ein technischer Sachverständiger soll nun untersuchen, weshalb die Tür nachgab. Auch der Regionalzug wurde beschlagnahmt und wird untersucht. «Wir unterstützen die Ermittlungen mit allen Kräften», sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Auf der Strecke fahre der Zugverkehr inzwischen wieder regulär.
Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß
Der 36-Jährige wurde nach der Tat zunächst festgenommen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft wegen Körperverletzung. Das Amtsgericht Karlsruhe lehnte den Antrag aber ab. Der Mann kam wieder auf freien Fuß.