Protest und Sperre ohne Chaos: Ein Ruhetag am Brenner
Autor: Matthias Röder, dpa
, Samstag, 30. Mai 2026
Für die Anwohner mag es wie eine Zeitreise gewesen sein - in die Jahre ohne Tourismusboom und lauter Lastwagen. Am Brenner protestierten viele Menschen gegen den starken Verkehr. Ein Chaos bleibt aus.
Der Protesttag am Brenner ist ohne das befürchtete Verkehrschaos zu Ende gegangen - trotz der stundenlangen Sperrung. Tausende Demonstranten machten auf der Autobahn ihren Unmut über die Verkehrsflut beim Alpen-Transit deutlich, protestierten gegen Lärm, Abgase und Belastungen im täglichen Leben. Laut einem dpa-Reporter waren rund 5.000 Demonstranten vor Ort.
«So kann es einfach nicht mehr weitergehen», sagte Karl Mühlsteiger als Initiator der Demonstration. Die Schmerzgrenze der Bevölkerung im Wipptal sei erreicht. «Wir kollabieren mittlerweile unter den extremen Abgasen», sagte Mühlsteiger, der auch der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner ist. Zu den Forderungen der Demonstranten zählt ein erweiterter Lärmschutz und die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene.
Viel Verkehr am Sonntag erwartet
Wegen des Protests war die Brenner-Route bis zum Abend für Transitfahrten gesperrt. Zu einem Verkehrskollaps kam es nicht. Es sei «extrem ruhig» geblieben, sagte Alexander Holzedl vom Autobahnbetreiber Asfinag. Auch auf den Ausweichstrecken habe es keine Behinderungen gegeben.
«Wir sind begeistert», sagte ein Sprecher des Verkehrsclubs ÖAMTC der Deutschen Presse-Agentur zur Lage auf den wichtigsten Routen durch Österreich. Irgendwann müssten aber die Urlauber, die ihre Fahrten verschoben hätten, doch reisen. Der ÖAMTC erwartet daher am Sonntag starken Verkehr.
Auf italienischer Seite war die Verkehrslage nach Angaben der Behörden ebenfalls «äußerst ruhig». Katia Grenga von der Verkehrspolizei Bozen sagte: «Offenbar haben die frühzeitigen Informationen ihre Wirkung gezeigt.»
Polizei und Rettungsdienste in Bayern und Österreich hatten sich auf ein mögliches Verkehrschaos eingestellt. In dem Zeitraum der Sperre passieren laut Asfinag normalerweise mehr als 30.000 Fahrzeuge die Mautstellen auf der Brenner-Autobahn.
Kritik der Demonstranten auch an Deutschland
Fast 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben 2025 laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Damit ist die Strecke die verkehrsreichste Nord-Süd-Verbindung der Alpen. Nach Berechnungen des Ökologie- und Verkehrsverbands VCÖ fuhren vergangenes Jahr fast dreimal so viele Lkw über den Brenner wie über alle Alpen-Transitstrecken der Schweiz.