Braunbär Bruno im Museum: Freiheitssymbol und Schaustück
Autor: Sabine Dobel, dpa
, Sonntag, 21. Juni 2026
Bärenfallen, Elchhunde, Proteste, Abschuss: Vor 20 Jahren bewegte Braunbär Bruno ganz Deutschland. Sein Weg vom Honigdieb zum Museumsstück verrät einiges über Wildtiere - und viel über die Menschen.
Er fraß Schafe, plünderte Bienenstöcke und sorgte wochenlang für Schlagzeilen: Der Braunbär Bruno wurde im Sommer 2006 zum Symbol für die Debatte um Naturschutz und die schwierige Rückkehr wilder Tiere. Heute steht der Bär mit wissenschaftlichem Namen JJ1 - Erstgeborener von Jose und Jurka - ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur.
Nach wochenlangen Fangversuchen wurde er zum Abschuss freigegeben und am 26. Juni 2006 im Rotwandgebiet getötet. Der Schritt löste heftige Proteste aus. Der Schütze blieb geheim - es gab massive Drohungen.
Eine Familie aus Oberbayern schaltete im «Münchner Merkur» eine Todesanzeige, unterzeichnet mit: «in Wut und Trauer». «Unser Bruno ist tot», stand in der Anzeige. Mit Blick auf den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und seinen Umweltminister Werner Schnappauf hieß es: «Nach seiner wunderbaren Wanderung vom Trentino nach Tirol und Bayern hat Braunbär Bruno Herrn Stoiber zum Stottern, Schnappauf zum Problem-Minister und alle Tierschützer zur Verzweiflung gebracht.» Bruno sei am
Spitzingsee «hinterrücks» erschossen worden. «Mit ihm ist der Glaube daran
gestorben, dass unsere Politiker ein Herz für Tiere haben. Bruno - an
der Wahlurne rächen wir dich.»
Unbekannte errichteten nahe der Abschussstelle ein Holzkreuz. Bruno sei von «hintergründigen Mördern erschossen» worden, hieß es darauf.
Stoiber: «Problembär»
Bruno war am 20. Mai 2006 der erste Bär, der nach 170 Jahren die Tatzen auf bayerischen Boden setzte. Der Bär sei «willkommen», erklärte Bayerns damaliger Umweltminister Schnappauf. Doch Bruno benahm sich nicht entsprechend. Er riss mehr Schafe als er fressen konnte, stahl Geflügel und Honig - und kam gefährlich nah an Siedlungen. Man schwenkte um: Das Tier sei ein «Problembär», meinte nun Ministerpräsident Stoiber.
Der junge Bär war aus dem italienischen Trentino eingewandert. Dort wurden die streng geschützten Tiere im EU-geförderten Projekt «Life Ursus» etwa um 2000 wieder angesiedelt. Noch 2013 hieß es aus Trient stolz, «Life Ursus» sei gerade noch rechtzeitig gekommen; der Braunbär sei in den Alpen vom Aussterben bedroht.
Doch die Population wuchs schneller als erwartet auf heute gut 100 Tiere. Etwa seit 2014 kam es in der beliebten Urlaubsregion zu Angriffen auf Menschen. Trauriger Höhepunkt war die tödliche Attacke auf einen Jogger im Frühjahr 2023. An Wanderwegen warnen heute Schilder vor den Tieren.