Neuer Vorfall nach Vietnam-Boeing - A380 setzt zu früh auf
Autor: Christian Ebner, Sabine Dobel und Bac Pham, dpa
, Mittwoch, 19. August 2026
Zwei Zwischenfälle in kurzer Zeit auf derselben Landebahn am Münchner Flughafen: Wie reagieren Airlines und Behörden auf die aktuellen Ereignisse? Viele Fragen sind offen.
Nach dem Beinahe-Unglück einer Boeing 787-9 von Vietnam Airlines am Münchner Flughafen läuft noch die Klärung der Ursache, da gibt es schon einen neuen Zwischenfall. Ein Airbus A380 der Lufthansa setzte am Montagabend bei der Landung zu früh auf und beschädigte an der Landebahnschwelle die Beleuchtung. Das mit 351 Passagieren besetzte Flugzeug sei aber sicher gelandet, sagte eine Lufthansa-Sprecherin auf Anfrage. Zuvor hatten RTL und «aero.de» berichtet. Nur zwei Tage zuvor war auf derselben Bahn der Boeing-Dreamliner der Vietnam Airlines beim Start über das Pistenende hinausgeschossen. Hier entgingen Passagiere und Crew nur knapp einem Unglück - die Maschine konnte in letzter Sekunde doch noch abheben.
Was ist zum Vorfall mit dem Lufthansa-Jet bekannt?
Sicher ist nur, dass die Maschine zu früh aufsetzte. Dabei wurden erneut - wie bei dem Start der vietnamesischen Maschine - Lampen der Bahnbefeuerung beschädigt. Passagiere und Besatzung blieben unverletzt. Laut Lufthansa hat die A380 bereits auf dem Beton, aber vor der mit weißen Blockstreifen markierten Landebahnschwelle aufgesetzt.
Die rund 13 Jahre alte Lufthansa-Maschine mit dem Kennzeichen D-AIML war am Vorabend im US-amerikanischen San Francisco gestartet. Nach der Landung in München rollte sie zu ihrer Position am Terminal, die Gäste verließen das Flugzeug regulär, wie Lufthansa berichtete. Die Gründe für den Zwischenfall werden wie der Fall der Vietnam Airlines untersucht. Laut Lufthansa hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) eine Untersuchung eingeleitet. BFU-Mitarbeiter seien vor Ort und hätten die Flugschreiber sichergestellt, bestätigte ein BFU-Sprecher auf Anfrage.
Wie kam es zu dem gefährlichen Start der Vietnam-Boeing?
Die Boeing-Dreamliner war auf dem Rollfeld zu langsam, rollte über das Ende der Startbahn hinaus - und schaffte es in einer Staubwolke gerade noch in die Luft. Bei der Landung zwei Stunden später in München war am Fahrwerk Qualm zu sehen, Reifen waren geplatzt. Passagiere und Besatzung blieben unverletzt, sie kamen mit dem Schrecken davon.
Staatsnahe vietnamesische Medien legten ein technisches Problem an der Maschine schon beim Start nahe. Die Geschwindigkeit des Flugzeugs habe beim Startvorgang zwischenzeitlich abgenommen, berichteten die regierungsnahen Tageszeitungen Tuoi Tre and Thanh Nien unter Berufung auf erste Erkenntnisse von Vietnams Luftfahrtbehörde, die sich auf Darstellungen der Piloten stützen. Die Behörde wollte den Inhalt der Medienberichte nicht bestätigen.
Ungefähr auf halbem Weg auf der Startbahn habe die Maschine rund zwei Sekunden lang nicht an Tempo zugelegt, hieß es in den Berichten weiter. Danach habe die Maschine zunächst bis zur erforderlichen Geschwindigkeit beschleunigt, aber dann sei das Tempo abgefallen. Da nicht mehr genug Strecke auf der Bahn vorhanden gewesen sei, um den Start sicher abzubrechen, habe der Pilot den Startvorgang fortgesetzt. Der Pilot habe die Triebwerks-Schubhebel auf maximale Position gebracht und die Flugzeugnase hochgezogen - sodass das Flugzeug doch noch abhob.