Mehr Bodycams und Hilferufknöpfe – Bahn verstärkt Schutz
Autor: Matthias Arnold und Fabian Nitschmann, dpa
, Freitag, 13. Februar 2026
Konkrete Maßnahmen sollen Bahn-Beschäftigte mit Kundenkontakt besser vor Übergriffen schützen. Das ist das Ergebnis eines hochrangigen Treffens. Die Gewerkschaft EVG hatte sich deutlich mehr erhofft.
Mehr Bodycams, ein weiter entwickelter Hilferufknopf und höherwertige Ausrüstung: Beschäftigte im Bahnverkehr sollen künftig besser vor körperlichen Angriffen durch Fahrgäste geschützt werden. «Prävention geht immer vor Reaktion», sagte Bahnchefin Evelyn Palla nach einem hochrangigen Treffen zum Thema Sicherheit im Bahnverkehr in Berlin. «Wir wollen handeln, bevor etwas passiert.» Die Gewerkschaften hatten noch weitergehende Schritte, darunter mehr Personal, gefordert.
Palla hatte zu dem sogenannten Sicherheitsgipfel eingeladen, nachdem in der vergangenen Woche ein 36 Jahre alter Zugbegleiter bei der Ticketkontrolle von einem Fahrgast attackiert und tödlich verletzt worden ist. Die Tat in Rheinland-Pfalz löste bundesweit Entsetzen aus. Der mutmaßliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt seither in Untersuchungshaft.
Neben Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kamen Vertreter aus den Ländern, von den Gewerkschaften, Branchenverbänden und Aufgabenträgern des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im Bahntower in Berlin zusammen. Insbesondere die Bahngewerkschaften EVG und GDL pochen seit langem auf mehr Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Kundenkontakt.
Das sind die Maßnahmen
Konkret wurden bei dem Treffen unter anderem diese zentralen Maßnahmen im Rahmen eines «Aktionsplans für mehr Sicherheit auf der Schiene» beschlossen:
- Noch in diesem Jahr will die Bahn alle Beschäftigte mit Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit sogenannten Bodycams ausstatten. Bisher erhalten nur Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Regionalverkehr solche an der Dienstkleidung befestigten Kameras, wenn sie das möchten.
- Ein bereits vorhandener Hilferufknopf soll weiter entwickelt werden. Mit diesem können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren, so dass diese etwa Polizei oder Rettungskräfte am nächsten Bahnhof alarmieren kann.
- Die Bahn will 200 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen, welche die bislang vorhandenen 4.000 unterstützen sollen.
- Ab dem 1. März können Zugbegleiterinnen und -begleiter nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie neben dem Ticket auch den Personalausweis kontrollieren. Dies ist im Moment noch vor allem beim Deutschlandticket gängige Praxis. Dadurch dass die Zugbegleiter nun selbst entscheiden können, ob sie den Ausweis kontrollieren, sollen potenzielle Konfliktsituationen mit Fahrgästen vermieden werden.
Kernforderungen aufgenommen
Insbesondere die flächendeckende Ausstattung mit Bodycams war eine Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Kameras werden an der Dienstkleidung getragen und können von den Beschäftigten bei Bedarf und nach einem kurzen Hinweis eingeschaltet werden.
Die Gewerkschaft will aber auch Tonaufnahmen ermöglichen. Damit sollen auch verbale Übergriffe etwa auf Zugbegleiter und -begleiterinnen besser dokumentiert und juristisch verfolgbar werden. Hierfür müsse erst noch die rechtliche Grundlage geschaffen werden, sagte Verkehrsminister Schnieder nach dem Treffen.