Zeuge: Verschiedene Versionen der Tat in Zeitungen gelesen
Er habe gehofft, dass die Unternehmerin Christina Block und der Familienanwalt den Ermittlern die Wahrheit sagen würden. Aber dann habe er verschiedene Versionen über die Tat in der Zeitung gelesen.
Ein früherer Verteidiger Blocks hatte zunächst erklärt, dass die Mutter seiner Mandantin vor ihrem Tod im Sommer 2023 die Entführung der Kinder beauftragt haben könnte. Als Hinweis nannte er eine Barabhebung der Großmutter über 120.000 Euro, für die es keine Erklärung gebe.
Ex-Mann brachte die Kinder 2021 nicht zurück nach Hamburg
Der neue Verteidiger Blocks hatte die Entführung später als Alleingang der israelischen Sicherheitsfirma bezeichnet. Block selbst sagte im Prozess aus, die Firma habe sich nur um die Cybersicherheit in einem Hotel der Unternehmensgruppe kümmern sollen.
Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch in Dänemark im August 2021 nicht zurückgebracht. Es folgte ein jahrelanger, erbitterter Sorgerechtsstreit. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, schließlich die Entführung ihrer Kinder nach Deutschland in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.
Zeuge bekam sicheres Geleit
Der Zeuge ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis zum vergangenen Herbst mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage bekam er von den Ermittlungsbehörden sicheres Geleit. Der Mann gehört aber nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten im aktuellen Prozess.
Als er von einem israelischen Anwalt erfahren habe, dass möglicherweise ein Haftbefehl gegen ihn vorliege, habe er sich entschlossen, nach Deutschland zu fahren. «Das Beste ist, herzukommen mit allen Beweisen», sagte er. Deshalb habe er auch Büroschlüssel und alle Dokumente mitgebracht. «Als ich zur Polizei kam, habe ich die ganze Geschichte erzählt.»
Es war bereits das sechste Mal, dass der 68-Jährige in dem Prozess als Zeuge aussagte. Zum Auftakt des 35. Verhandlungstages wurde er zunächst von der Vorsitzenden Richterin anhand von Fotos zum Geschehen in der Silvesternacht 2023/24 befragt.
Mutmaßlicher Entführer-Chef: Habe das Wohnmobil gefahren
Unter anderem ging es dabei um das Wohnmobil, mit dem die Entführer damals die beiden jüngsten Block-Kinder aus Dänemark auf einen Bauernhof in Süddeutschland gebracht hatten. Dort sah Christina Block ihre Kinder zum ersten Mal nach Jahren wieder.
Der Zeuge bestätigte, das Wohnmobil zu kennen. «Ich habe das Fahrzeug gefahren», sagte er. Auch den Bauernhof auf den Bildern erkenne er wieder - ebenso ein Zimmer, in dem sein Team nach der Rückholung der Kinder zusammengesessen habe. Dort habe sich Christina Block bedankt.
Der Prozess wird diesen Freitag fortgesetzt.