Es war eines der schwersten Zugunglücke in der Geschichte des Landes. Die Ursache ist noch unklar. Nach jüngsten Angaben wird ein Gleisschaden oder ein Fehler an einem der Züge als Auslöser der Katastrophe nicht ausgeschlossen. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska schloss Sabotage aus.
Bei der Untersuchung von Zügen, die die Unfallstelle zuvor passiert hatten, wurden auffällige Beschädigungen festgestellt, wie Medien unter Berufung auf die Ermittler berichteten. Verkehrsminister Óscar Puente bestätigte diese Informationen, betonte allerdings, noch sei völlig unklar, ob dieser und andere von den Medien erwähnten Aspekte überhaupt mit dem Unfall in Zusammenhang stünden. Verfrühte Spekulationen seien unter anderem respektlos gegenüber den Opfern und deren Angehörigen.
Bahnverkehr in Katalonien weiter lahmgelegt
Nur zwei Tage nach dem Unglück von Adamuz war Spanien am Dienstagabend von einem zweiten tödlichen Unfall erschüttert worden. Ein Nahverkehrszug wurde im katalanischen Gelida westlich von Barcelona von einer Stützmauer getroffen, die während eines heftigen Sturmes auf die Gleise gestürzt war. Einer der Lokführer, ein 28-Jähriger, der noch in der Ausbildung war, kam dabei ums Leben. Dutzende Passagiere wurden verletzt, fünf davon schwer.
Am Donnerstag löste dann die Nachricht über einen weiteren Bahnunfall zunächst große Sorge aus. «Schon wieder?», hieß es in Cafés und in einigen Medien. Eine kleine Einwagen-S-Bahn fuhr in Alumbres in der Region Murcia im Osten des Landes gegen einen Kran. Doch schnell kam Entwarnung: Es gebe nur sechs Leichtverletzte, der Wagen sei kaum beschädigt worden, hieß es.
Lokführer wollen landesweit streiken
Der Betrieb in Katalonien war vom spanischen Schienennetzbetreiber Adif am Mittwoch vorläufig ausgesetzt worden, um die durch das Unwetter beschädigte Infrastruktur zu prüfen. Am Donnerstag sollte er bereits um sechs Uhr morgens wiederaufgenommen werden. Doch dazu kam es nicht. Die Lokführer der Region forderten Sicherheitsgarantien, so die spanische Bahngesellschaft Renfe, die die Züge von «Rodalyes de Catalunya» betreibt. Am Nachmittag gaben dann beide Seiten bekannt, man komme einer Einigung nahe.
Obwohl Ersatzbusse zur Verfügung gestellt wurden, herrschte in Katalonien Chaos, wie Medien berichteten. Es gebe lange Staus auf den Straßen und lange Schlangen in den Bahnhöfen, hieß es. Die Lokführer seien verunsichert, räumte Verkehrsminister Puente ein.
Die Lokführer-Gewerkschaft kündigte einen landesweiten dreitägigen Streik an. Sie fordert, dass «die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Netzes gewährleistet werden». Die «Häufung tödlicher Unfälle» habe «unter den Lokführern eine starke emotionale Belastung ausgelöst». Der Ausstand soll vom 9. bis 11. Februar stattfinden. Wegen der gesetzlich vorgeschriebenen sogenannten «Mindestdienste» haben Streiks im öffentlichen Verkehr in dem Land allerdings vergleichsweise geringe Konsequenzen für die Passagiere.