Mehr als 900 Tote nach Erdbeben in Venezuela
Autor: den dpa-Korrespondenten
, Freitag, 26. Juni 2026
Zwei starke Erdbeben erschütterten Venezuela. Laut Behörden sind Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Auf einer inoffiziellen Internetseite werden Zehntausende als vermisst gemeldet.
Nach den Erdbeben in Venezuela steigt die Zahl der Opfer, während die Angehörigen von Vermissten fieberhaft nach ihnen unter den Trümmern und übers Internet suchen. Am zweiten Tag nach der Erdbebenkatastrophe liegt die offizielle Zahl der Toten bei 920. Zudem seien 3.300 Menschen verletzt worden, teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mit.
Seinen Angaben nach sind mehr als 380 Gebäude komplett eingestürzt oder beschädigt worden. Mehrere Hunderte Menschen seien aus den Trümmern gerettet worden. 172 Menschen würden noch unter Trümmern vermutet, sagte Rodríguez. Wegen des Ausmaßes der Erdbeben gehen Experten von einer höheren Zahl aus.
Inoffizielle Vermisstenzahlen sind deutlich höher - wobei sich diese nicht verifizieren lassen. Auf einem für die Suche von Vermissten eingerichteten Internetportal gingen Zehntausende Meldungen ein - aktuell gelten demnach rund 50.000 Menschen als vermisst. Auf der inoffiziellen Seite können Angehörige und Bekannte Fotos der vermissten Personen mit Informationen hochladen.
Fieberhafte Suche nach Verschütteten
Im Fernsehen waren meterhohe Schutthaufen zu sehen, in denen Menschen teils mit bloßen Händen nach ihren Angehörigen suchten. Vereinzelt wurden immer wieder Verletzte unter Jubel aus den Trümmern gezogen. Viele Menschen beklagen den Mangel an staatlicher Hilfe.
Es fehle vor allem an schwerem Gerät, um Trümmer zu beseitigen, sagte etwa ein Bewohner der Hauptstadt Caracas der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind auf solche Ereignisse nicht vorbereitet. Sie haben zu lange gebraucht, ihnen fehlt die Technik, ihnen fehlen die Maschinen», sagte José Ángel Ascanio vor seinem zerstörten Wohnhaus im Stadtteil San Bernardino über die Bemühungen der Rettungskräfte. Einige seiner Nachbarn hätten nur noch tot geborgen werden können.
Die Suche nach Verschütteten ist dabei ein Wettlauf gegen die Zeit. Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen nach 72 Stunden stark sinken. Zwei schwere, sehr kurz aufeinanderfolgende Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert.
Inzwischen läuft internationale Hilfe an, die in dem verarmten südamerikanischen Land dringend benötigt wird. Besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat La Guaira. Dort sind nach Angaben des venezolanischen Innenministers Diosdado Cabello mehr als 70.000 Familien von den Folgen der Erdbebenkatastrophe betroffen.