Mann gesteht Todesangriff auf Schüler: «Sinnlos, barbarisch»
Autor: Yuriko Wahl-Immel, dpa
, Donnerstag, 19. März 2026
Mit Messerstichen in Oberkörper und Kopf stirbt ein Schüler vor Zeugen mitten in einem Supermarkt bei Bielefeld. Im Mordprozess gesteht der Angeklagte – mit deutlichen Worten über seine Tat.
Es ist eine unfassbar grausame und brutale Tat – und der durch Messerstiche mitten in einem Supermarkt getötete 16-jährige Schüler war wohl ein reines Zufallsopfer. Fünf Monate nach der Gewalttat in einem Geschäft in Lemgo bei Bielefeld hat der mutmaßlichen Angreifer zu Beginn des Mordprozesses ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Der 33-jährige Deutsche sagte vor dem Landgericht Detmold, er habe am Abend des 20. Oktober zweimal auf den Jugendlichen eingestochen. Seine Tat nannte er «sinnlos und barbarisch». In Richtung der Eltern, die als Nebenkläger anwesend waren, sagte der Angeklagte, es tut ihm sehr leid. «Aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen und das ist das Allerschlimmste.»
Die Tat laut Anklage und Videos aus Überwachungskameras
Laut Staatsanwaltschaft folgte der Mann dem Schüler nach kurzem Kontakt auf dem Parkplatz ins Geschäft und stach zweimal mit einem Küchenmesser auf den Jugendlichen ein. Heimtückisch und mit Tötungsabsicht habe er seinem Opfer die Klinge in Oberkörper und Kopf gerammt. Die Messerklinge steckte noch in der Schläfe des Schülers, als ihn Helfer erfolglos reanimieren wollten.
Lunge und Herz seien getroffen, die Hauptschlagader durchtrennt worden, hieß es weiter. Der zweite Stich habe unmittelbar zum Tod geführt. Das Tatgeschehen im Supermarkt lässt sich dem Vorsitzenden Richter Karsten Niemeyer zufolge durch eine Überwachungskamera genau nachvollziehen. Die Prozessbeteiligten sahen sich die zentrale Aufnahme am Laptop des Richters an. Die Eltern des Getöteten ersparten sich die Tortur.
Eltern verfolgten die Verhandlung still
Wie es im Inneren der Eltern aussehen mag, war kaum vorstellbar. Beide verfolgten die Verhandlung still, mit gebeugtem Kopf, blickten starr auf die Tischplatte vor ihnen.
Der Anklagte wirkte ruhig, ausdruckslos, antwortete konzentriert auf Fragen des Richters. Verteidiger Jerrit Schöll versicherte, sein Mandant wolle die volle Verantwortung für seine Tat übernehmen.
Was war das Motiv – gab es überhaupt eines?
Der Angeklagte berichtete von langer Drogenabhängigkeit und mehreren stationären Aufenthalten wegen psychischer Erkrankungen. Mit 20 Jahren habe sein Vater ihn raus geworfen, er habe mal ein halbes Jahr auf der Straße gelebt und auch Ladendiebstähle begangen.