Frauen betäubt, vergewaltigt, gefilmt - 68-Jähriger gesteht
Autor: Marion van der Kraats und Anne Baum, dpa
, Donnerstag, 06. August 2026
Über Dating-Plattformen soll der Mann seine Opfer kennengelernt und sich öfter auch mal als Kommissar ausgegeben haben. Die Frauen kamen in seine Wohnung. Erschütternde Aufnahmen zeigen, was folgte.
Den Opfern war teils jahrelang nicht bewusst, was ihnen angetan wurde: Ein inzwischen 68-Jähriger soll sich Ermittlungen zufolge an 58 Frauen vergangen haben - betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt. Um die Übergriffe auf 14 Frauen im Alter von seinerzeit 50 bis 60 Jahren geht es aktuell vor dem Landgericht Berlin. Zum Prozessauftakt gesteht der Berliner.
«Die Vergewaltigungen räume ich ein», erklärte der Deutsche über seinen Verteidiger Jochen Schöfthaler. Auch der in der Anklage geschilderte Ablauf der Taten sei zutreffend. Auf Details ging der schlanke Brillenträger, der seit März in Untersuchungshaft sitzt, zunächst nicht ein. Dies erfolge möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt, hieß es.
Ins Visier geriet der 68-Jährige nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat zunächst 22 Fälle in der Zeit von 2016 bis 2022 angeklagt. Die Vorwürfe lauten unter anderem Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs.
Als Polizist und Bundeswehrpilot ausgegeben
Der gelernte Elektriker soll die Opfer aus Berlin und Brandenburg über Online-Dating-Plattformen kennengelernt haben. Teils gab er sich als Polizeikommissar aus, teils als Bundeswehrpilot. In den Kontakten soll er sich charmant und romantisch gezeigt haben. Die Frauen kamen freiwillig mit in seine Wohnung.
Dort bot er ihnen laut Anklage alkoholische Getränke an, denen er eine «sedierende Substanz» untermischte. Als sich die Frauen schließlich in einem «der Bewusstlosigkeit zumindest ähnlichem Zustand befanden, in dem sie keinerlei Wahrnehmungen machen konnten und nicht in der Lage waren, sich zu äußern oder zu wehren», habe er sie vergewaltigt.
Versuch, Hand wegzuschieben
22 Mal listet die Anklage auf, wie sich der Mann dann an den Frauen vergangen haben soll. Von einigen Frauen ist demnach auf den Aufnahmen ein Schnarchen zu vernehmen, eine sagt benommen «Nee, nee, nee», andere versuchen die Hand des Mannes wegzuschieben.
Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, «dass die Gabe sedierender Substanzen, insbesondere auch in Kombination mit Alkohol, zu potenziell lebensbedrohlichen Situationen führen kann, was er auch billigend in Kauf nahm», so Staatsanwalt Sebastian Schwarz bei Verlesung der Anklage.