25 Jahre «Das ist auch gut so»: Wie Wowereits Satz nachwirkt
Autor: Andreas Rabenstein, dpa
, Dienstag, 09. Juni 2026
Im Juni 2001 outete sich Klaus Wowereit mit dem Satz: «Ich bin schwul und das ist auch gut so». Politik und Gesellschaft veränderten sich seitdem - doch nicht nur zum Positiven.
Ein einziger Satz kann politische Karrieren beenden – oder Geschichte schreiben. Und meist ahnt der Akteur die Wirkung vorher nicht.
Als am 10. Juni 2001 der auch in seiner Heimatstadt Berlin eher unbekannte SPD-Politiker Klaus Wowereit auf einem Parteitag ans Rednerpult tritt, kann er nicht wissen, dass der Schlusssatz seiner Rede ihn weit über Deutschland hinaus berühmt machen wird: Und dass er bis heute, 25 Jahre später, politische und gesellschaftliche Auswirkungen haben wird.
«Damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen, ich sag's euch auch und wer's noch nicht gewusst hat», leitete Wowereit in seiner Bewerbungsrede für die Bürgermeister-Kandidatur sein Coming-out ein. Dann hebt er seine Stimme und es folgt der Satz: «Ich bin schwul und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen.»
«Das war damals noch eine andere Zeit»
Wowereit wusste, dass seine sexuelle Orientierung in Teilen der SPD, der Medien und der Schwulenszene schon länger bekannt war. Seine Berater hätten ihm aber davon abgeraten, das öffentlich auf dem Parteitag zu thematisieren, sagt er im dpa-Interview. «Das war damals noch eine andere Zeit, in der man eher sagte: Wenn schon, dann bitte nicht darüber sprechen.»
Dann habe er aber gehört, dass gezielt nach negativen Geschichten gesucht worden sei, erinnert sich Wowereit. «Dafür muss man sich nicht rechtfertigen. Es ist nichts Schlimmes – und es ist gut so. Dieser Satz kam spontan, er war nicht vorbereitet und stand auch nicht im Manuskript.»
Die eigentliche Bedeutung des Satzes erfasste auch er erst später. Das Coming-out eines prominenten Politikers verschob die Grenzen des Sagbaren. Plötzlich war da ein Regierender Bürgermeister, der nicht nur akzeptiert wurde, sondern gerade wegen seiner Offenheit als authentisch galt.
«Ein Moment der Ermächtigung»
Für viele Homosexuelle oder ihre Familie war der Satz ein wichtiges Signal, er habe viele Briefe bekommen, erinnert sich Wowereit heute noch. Der Berliner Queer-Beauftragte Alfonso Pantisano betont: «Für mich war es ein Moment der Ermächtigung: Er zeigte mir, dass aus Verletzung Haltung, aus Sichtbarkeit politische Kraft und aus einem schwulen Leben öffentliche Verantwortung werden kann. Dafür bin ich Klaus Wowereit bis heute dankbar.»