Großrazzia gegen «Hells Angels» mischt Rocker-Szene auf
Autor: Oliver Auster, dpa
, Dienstag, 28. April 2026
1.200 Polizisten gehen gegen die «Hells Angels» in NRW vor. Ein Ableger wird verboten - aber es gibt noch viele weitere. Der Innenminister macht klar, was die Motorradclubs wirklich im Schilde führen.
Auch wenn die «Hells Angels» oft nachtaktiv sind, wurden die meisten am Dienstag wohl unsanft aus dem Schlaf geholt: Um 4 Uhr morgens schlug die Polizei in NRW zeitgleich an 58 Adressen in 28 Städten zu. 1.200 Beamte stürmten Wohnungen, Lagerhallen und eine Werkstatt. Die Ermittler nahmen den Präsidenten (46) des noch jungen «Hells Angels»-Ablegers Leverkusen fest. Der Club wurde verboten, sein Vermögen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft sprach am Nachmittag von Sach- und Vermögenswerten im hohen sechsstelligen Bereich.
«Wer mit Waffen, Drogen, Gewalt und Einschüchterung sein Geld verdient, muss jederzeit damit rechnen, dass die Polizei morgens im Schlafzimmer steht. Nicht als Gast, sondern mit Durchsuchungsbeschluss», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), als es draußen schon wieder hell war. Sichtlich zufrieden erklärte Reul, dass dies einer der größten Einsätze gegen Rocker in der Geschichte des Landes war.
Motorradrocker wollten sich Schönheitschirurg vorknöpfen
Ursprünglich hatte man wegen diverser Straftaten ermittelt, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden. So hatte sich nach dpa-Informationen zum Beispiel 2024 eine junge Frau beim Präsidenten des gerade erst gegründeten «Hells Angels»-Ablegers in Leverkusen gemeldet, weil sie mit einer Schönheits-OP unzufrieden war und der Arzt ihr das Geld nicht zurückzahlen wollte. Der Präsident soll - so die Ermittlungen - versprochen haben, dass seine Leute bei dem Chirurgen vorbeifahren, um die Forderung einzutreiben.
Was dann passierte, ist unklar, denn der Arzt hat nie Anzeige erstattet. Aber für die Polizei zeigt das Beispiel, dass der «Hells Angels Motorcycle Club» (HAMC) Leverkusen nicht wegen der Liebe zu PS-starken Zweirädern gegründet wurde: «Der HAMC Leverkusen verfolgt den offiziellen Zweck eines Motorradclubs. Tatsächlich dient der Personenzusammenschluss jedoch hauptsächlich der Planung und Durchführung von Straftaten», heißt es in der Verbotsverfügung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Knapp 70-seitige Verbotsverfügung
Die Polizei hat für das knapp 70-seitige Papier zahlreiche noch laufende Ermittlungsverfahren zusammengetragen, die am Ende immer wieder zu dem Rocker-Club in Leverkusen führten. So wurde aus den Ermittlungen auch das Verbotsverfahren. Am Dienstag wurde den Beteiligten die entsprechende Verfügung zugestellt. Der Präsident des Chapters wurde festgenommen, gegen ihn gibt es einen Haftbefehl.
In der Werkstatt des Mannes in Langenfeld entdeckte die Polizei zahlreiche Motorräder, auch vom Typ Harley-Davidson. Zehn wurden laut Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Außerdem drei Autos, 20 Kutten, sieben hochwertige Uhren, neun Schusswaffen (zwei davon scharf), 26 Hieb- und Stichwaffen, 114 Betäubungsmittel wie Kokain, Haschisch und Marihuana sowie Bargeld. Ansonsten habe es bei den Razzien auch Hinweise auf professionellen Drogenanbau gegeben, so Reul. Insgesamt gebe es 44 Beschuldigte.
Auch wenn das Chapter in Leverkusen im Fokus stand, durchsuchten die Beamten Wohnungen und Geschäftsräumen von Vereinsmitgliedern und Unterstützern in ganz NRW: in Ahaus, Bergheim, Bochum, Bottrop, Dinslaken, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Erkrath, Gummersbach, Hagen, Herne, Hilden, Kerpen, Köln, Langenfeld, Leverkusen, Lünen, Marienheide, Monheim, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Neuss, Oberhausen, Solingen, Velbert, Voerde und Wesel. Polizisten aus zahlreichen Städten waren dabei, an 13 Einsatzorten auch Spezialeinsatzkommandos.