Wikipedia mit 25 unter Druck durch KI-Konkurrenz
Autor: Christoph Dernbach, dpa
, Dienstag, 13. Januar 2026
Wikipedia feiert 25 Jahre Bestehen – doch politische Angriffe, fehlende Spenden, Autorenmangel und die Konkurrenz durch KI-Plattformen fordern das Online-Lexikon heraus.
Wikipedia wird 25 Jahre alt. Am 15. Januar 2001 ging das Onlinelexikon unter www.wikipedia.com ins Netz. Die beiden Gründer Jimmy Wales und Larry Sanger wollten ihre von professionellen Autoren verfasste Online-Enzyklopädie Nupedia eigentlich nur durch ein Mitmachprojekt ergänzen. Doch während das Profi-Projekt kaum von der Stelle kam und 2003 eingestellt wurde, wuchs Wikipedia rasant und wurde schnell zu einer der beliebtesten Seiten des World Wide Web.
250.000 Freiwillige
25 Jahre nach der Gründung blicken die Wikipedianer auf eine beeindruckende Bilanz: In einem Vierteljahrhundert ist die größte freie Wissenssammlung der Geschichte entstanden, die eine große Reichweite erzielt. Wikipedia verzeichnet derzeit rund 15 Milliarden Seitenaufrufe im Monat, fast 250.000 aktive Freiwillige und über 65 Millionen Artikel in mehr als 300 Sprachen.
Die deutschsprachige Wikipedia fing am 16. März 2001 an, gut drei Monate nach dem ersten Wikipedia-Projekt in den USA. Über drei Millionen Artikel finden hier inzwischen ein riesiges Publikum. Allein im vergangenen Dezember verzeichnete das deutschsprachige Angebot 750 Millionen Seitenaufrufe. Damit liegt Wikipedia unter den Top fünf der beliebtesten Webseiten in Deutschland.
Gut recherchierte Informationen - mit Quellen
«Es ist eine riesengroße Errungenschaft, dass es uns gelungen ist, in ganz vielen Teilen der Welt den Menschen einen Zugang zu Wissen zu ermöglichen, die den anders nicht hätten», sagt Franziska Heine, geschäftsführende Vorständin von Wikimedia Deutschland. Die Menschen könnten «auf wirklich gut recherchierte, mit Quellen belegte Informationen zurückgreifen und dadurch selbst viele Fragen in ihrem Leben beantworten, die sie anders nicht beantworten könnten».
Die Erfolge können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Projekt vor großen Schwierigkeiten steht, und in manchen Weltregionen auch bedroht wird. Es häufen sich nicht nur in den USA die politischen Angriffe. Die großen Technologiekonzerne setzen das Online-Lexikon ökonomisch unter Druck. Zudem fällt es Wikipedia immer schwerer, auch junge Autoren und vor allem Autorinnen zu finden.
Ist Wikipedia zu «woke»?
Wikipedia-Mitbegründer Wales sah sich unlängst dazu genötigt, die Online-Enzyklopädie gegen die Behauptung von Elon Musk zu verteidigen, sie habe eine linke politische Ausrichtung. «Wenn die Frage lautet, ob Wikipedia von linksradikalen Aktivisten übernommen wurde, lautet die Antwort: Nein», sagte Wales bei der Vorstellung seines Buchs «Trust» in Berlin.
Musk, der für seine rechtspopulistischen Ansichten bekannt ist, hatte im vergangenen Jahr seine Alternative zu Wikipedia an den Start gebracht. Die Website mit dem Namen Grokipedia bietet ein ähnliches Design mit einer Suchmaske und Artikeln mit Quellenverweisen. Sie wurde bei seiner KI-Firma xAI entwickelt.