Wenn Bananen fremdgehen: Was steckt hinter KI-Frucht-Videos?
Autor: Sabrina Szameitat, dpa
, Samstag, 25. April 2026
Wassermelonen flirten, Erdbeeren betrügen Bananen: Solche KI-generierten Videos gehen momentan bei Tiktok und Instagram viral. Sie spielen dabei aber auch mit fragwürdigen Klischees.
Es klingt wirklich absurd. Eine weiblich aussehende Erdbeere geht im Büro eine heimliche Affäre mit ihrem Chef ein, einer Banane in einem weißen Hemd. Als sie schwanger wird und ein Baby auf die Welt bringt, fällt der Betrug ihrem Erdbeer-Ehemann auf - denn das Kind ist eine kleine Banane («Warum halte ich eine Banane?»). Das Drama ist groß.
Solche mit Künstlicher Intelligenz (KI) generierten Kurzvideos tauchen momentan immer wieder auf Tiktok und Instagram auf. Teilweise werden sie tausendfach abgerufen und geteilt. Die Clips zeigen Früchte, Gemüse und andere Lebensmittel mit menschlichen Körpern, wie sie zum Beispiel über ihre Beziehung streiten, fremdgehen oder sich rächen, unterlegt mit dramatischer Musik und flachen Dialogen. Häufig verbunden sind sie mit Klischees oder auch sexistischen, rassistischen Narrativen. Was steckt dahinter?
KI-generierte Fotos und Videos auf Plattformen wie Tiktok sind im Alltag angekommen. In den sozialen Medien fluten sie massenhaft Timelines. Viral gingen etwa schon als «Italian Brainrot» gelabelte, bizarre KI-Kreaturen, etwa ein Hai mit Sneakern und dem Namen «Tralalero Tralala».
Watermelina und Bananito bei «Fruit Love Island»
Nun tauchen also oft die KI-Fruchtvideos auf. Besonders beliebt: Eine Art Parodie der Reality-Dating-Show «Love Island» mit dem Titel «Fruit Love Island». Hier flirten KI-Früchte in Hawaii-Hemden und knapper Kleidung wie die männliche Banane Bananito oder die Wassermelone Watermelina miteinander. Die rund ein- bis dreiminütigen Episoden bei Tiktok folgen einer einfachen, aber klaren Dramaturgie.
«Durch generative KI ist die Möglichkeit gegeben, relativ unkompliziert unwahrscheinliche, absurde und oft gerade deshalb faszinierende Szenarien herzustellen. Sie haben erst mal einen hohen Unterhaltungswert», ordnet die Medienethik-Wissenschaftlerin Jessica Heesen von der Universität Tübingen das Phänomen ein.
Forscherin: Bei Fruchtvideos kommt sexuelle Komponente dazu
Die Professorin beschäftigt sich unter anderem mit ethischen und philosophischen Debatten im Bereich Medien und Digitalisierung. Zwar müsse man sich etwas auskennen, mit der richtigen Software für generative KI und etwas Übung sei die Herstellung dieser Videos aber mittlerweile niedrigschwellig. Speziell für die KI-Fruchtvideos gibt es inzwischen auch eigene Generatoren.
Bei diesen kommt laut Heesen eine sexuelle Komponente und die «mediale Attraktivität von Grenzüberschreitungen» hinzu. «Im Gewand von niedlichen Früchten können dann sexistische Stereotype bedient werden», sagt die Forscherin. Spezifisch bei «Fruit Love Island» sehe man, dass das Trash-TV-Format «Love Island» überspitzt und karikiert wiedergegeben werde, was sowohl für Fans als auch Kritikerinnen der Sendung lustig sei.