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Spione bitten zum Gaming: BND umwirbt Nachwuchs auf Gamescom


Autor: dpa

, Samstag, 29. August 2026

Spione, die in aller Öffentlichkeit möglichst viel Aufmerksamkeit haben wollen? Klingt seltsam, ist bei der Gamescom aber Realität. Der BND rührt dort die Werbetrommel. Mit einem Game natürlich.
Wer dachte, Spione arbeiteten nur im Verborgenen, der wird bei der Gamescom eines Besseren belehrt: ein BND-Mitarbeiter am Messestand.


Der Bundesnachrichtendienst (BND) intensiviert bei der Computerspiel-Messe Gamescom seine Bemühungen, junge Leute als IT-Fachkräfte und für andere Tätigkeiten zu gewinnen. Die Behörde stellte an ihrem Messestand in Köln ein Upgrade eines Computerspiels vor, mit dem das Interesse an der Arbeit der Auslandsspione geweckt werden soll. Bei dem Spiel «BND-Legenden: Operation Blackbox» ist der Gamer als Agentin AJ in geheimer Mission in virtuellen Welten unterwegs.

Das Spiel wurde bereits im Vorjahr auf der Gamescom vorgestellt, Ende 2025 ging es auf der Plattform Steam online. Nun ist ein neues Level hinzugekommen: In «Data Extraction» hat AJ ein Datenpaket geklaut und muss es aus der feindlichen Umgebung hinaus schleusen. Der Spieler muss am Controller möglichst schnell Muster erkennen und reagieren - lässt seine Konzentration nach, scheitert er, und die Mission geht in die Binsen.

Unabhängig von dem Spiel haben Besucher an dem Messestand die Möglichkeit, ihre Hacking- und Coding-Fähigkeiten in kurzen Spielsequenzen unter Beweis zu stellen und dabei mit echten BND-Beamten ins Gespräch zu kommen. Von den anwesenden BND-lern kommen einige aus der Personalabteilung. Spione im Auslandseinsatz, die beim Heimaturlaub mal beim Gamescom-Messestand vorbei schlappen und Werbung machen für ihre Arbeit, dürfte man wohl nicht treffen.

Wie die Behörde ihr Werbegame begründet

Man sei mit der Resonanz auf das Spiel zufrieden, sagt eine BND-Sprecherin. «Bei Gamern kommt es gut an, dass sich der Dienst nicht nur als solcher präsentiert, sondern auch ein Spiel mitgebracht hat.»

Aber warum überhaupt ein 100 Quadratmeter großer Messestand auf einer Computerspiel-Messe? Das Publikum auf der Gamescom sei interessant für den BND als Arbeitgeber, sagt die Behördensprecherin. «Die Gamer sind technikaffin, sie schlüpfen gern in andere Rollen und begeben sich auf Missionen: Nichts anderes macht der Bundesnachrichtendienst.»

Wie andere Behörden auch brauche man Nachwuchs und wolle diesen für die Arbeit beim BND begeistern. Der BND werde vermehrt IT-Talente etwa für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (Agentic AI) und Softwareentwicklung suchen. Der BND hat nach eigenen Angaben rund 6.800 Beschäftigte, die Zentrale ist in Berlin und ein weiterer großer Standort in Pullach bei München.

Gesetzesreform verändert den BND

Die Talente, die jetzt angeworben werden, würden in einem neuen BND starten, sagt die Behördensprecherin mit Blick auf die unlängst auf den Weg gebrachte Gesetzesreform. Sie soll dem Bundesnachrichtendienst mehr Befugnisse für die Aufklärung von Terrorismus und geheimdienstlichen Aktivitäten anderer Staaten geben. Dazu gehört erstmals auch die Möglichkeit, aktiv einzugreifen, zum Beispiel bei einem von staatlicher Seite gesteuerten Hacker.

Was hat das Spiel denn bisher gebracht bei der Personalrekrutierung, und wie viele passionierte Gamer sind denn inzwischen beim BND untergekommen? Das bleibt unklar. Man frage die Beschäftigten nicht nach ihren privaten Hobbys, und es werde nicht erfasst, ob das Interesse über das Game geweckt wurde, heißt es von der Bundesbehörde. Das Computerspiel könne zudem auch eine indirekte Wirkung haben: Dass Gamescom-Besucher davon erzählen und der BND bei anderen Menschen, die gar nicht bei der Messe waren, überhaupt erst Thema werde als möglicher Arbeitgeber.