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«Millionen» Hacker-Versuche: Viele Webseiten noch offline


Autor: dpa

, Donnerstag, 22. Oktober 2026

Krankenhäuser, Behörden und Universitäten haben Webseiten vorsorglich vom Netz genommen. In vielen Bundesländern sind erste Angebote zurück – doch längst nicht alle. Was steckt dahinter?
Eine Sicherheitslücke in der Webskriptsprache PHP gefährdet derzeit viele Webseiten. (Symbolbild)


Eine weltweit Sicherheitslücke im Internet sorgt weltweit weiterhin für Aufregung. Zahlreiche Internetseiten auch in Deutschland waren am Donnerstag noch betroffen. Weltweit habe es «Millionen» Versuche von Hackern gegeben, die Schwachstelle auszunutzen, sagte der Chef des IT-Unternehmens Cloudflare, Matthew Prince, dem britischen Sender Sky News.

Ursache ist eine kritische Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des gesamten Internets basiert - von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.

Cybersicherheitswarnung

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gab eine offizielle Cybersicherheitswarnung heraus. Es müssten rasch Sicherheitsupdates installiert werden, hieß es. Von den Schwachstellen gehe großes Bedrohungspotenzial aus. Mehrere Bundesländer, Kommunen, Behörden, Universitäten und Krankenhäuser nahmen daraufhin vorsorglich ihre Webseiten vorübergehend vom Netz.

«Systeme, für die aktuell noch kein Sicherheitsupdate eingespielt werden konnte, dürfen unter keinen Umständen weiter am Netz bleiben», sagte der IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte ein drastisches Durchgreifen der Betreiber. «Jede ungeschützte PHP-Anwendung ist in diesem Moment eine offene Tür für Kriminelle.»

Die Lage in den Ländern

Am Morgen waren manche Angebote wieder frei geschaltet, darunter viele Internetseiten in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Auch in Thüringen waren seit dem späten Mittwochabend viele Seiten wieder online, darunter die von Staatskanzlei, Landespolizei und Innenministerium. 

In Baden-Württemberg waren teils Hinweise auf Wartungsarbeiten zu lesen. «Die Maßnahme dient dem vorsorglichen Schutz der Infrastruktur, bis die Entwickler die erforderlichen Sicherheitsupdates bereitstellen», teilte das Staatsministerium mit. 

Auch in Nordrhein-Westfalen waren am Morgen manche prominente Webseiten weiter nicht erreichbar. Mehrere Online-Services der NRW-Polizei waren nach Behördenangaben dagegen wieder am Netz. «Nach intensiven Arbeiten konnten die Seiten wieder in Betrieb genommen werden», teilte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste mit. 

«Wir erleben einen Wendepunkt»

Für normale Internetnutzer bestand beim alltäglichen Surfen auf dem Smartphone oder PC zunächst kein direkter Handlungsbedarf, da sich die Sicherheitslücke nicht auf Endgeräten befindet, sondern auf den Servern im Hintergrund. Dennoch können Verbraucher indirekt betroffen sein - etwa durch Ausfälle wichtiger Onlinedienste oder potenzielle Datenabflüsse auf nicht rechtzeitig geschützten Webseiten.

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, Marc Henrichmann, warnte vor einer neuen Dimension der Cyberbedrohung. «Wir erleben einen Wendepunkt», sagte der CDU-Politiker dem «Handelsblatt». Künstliche Intelligenz mache aus Schwachstellen, die bisher als kaum ausnutzbar gegolten hätten, in kurzer Zeit «echte Einfallstore».

«Das ist eine der ernstesten Sicherheitslücken der vergangenen Jahre», sagte Henrichmann. Die Schwachstelle betreffe einen Großteil der Websites weltweit und sei «ein Problem für die gesamte digitale Infrastruktur». Der Fall zeige, wie verwundbar staatliche Einrichtungen seien, wenn zentrale Software über Jahre unentdeckte Fehler enthalte. Solche Sicherheitslücken würden gezielt von Kriminellen und staatlichen Akteuren ausgenutzt.