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Samsung verbucht Rekordgewinne - und enttäuscht die Märkte


Autor: Fabian Kretschmer, dpa

, Dienstag, 07. Juli 2026

Seit über einem halben Jahr explodieren die Unternehmensgewinne von Südkoreas größtem Unternehmen. Doch trotz exzellentem Geschäftsbericht bricht der Aktienkurs von Samsung Electronics ein.
Samsung Electronics hat einen historischen Rekordgewinn für das zweite Quartal verbucht.


Erneut fährt Südkoreas größtes Unternehmen Rekordgewinne ein: So geht Samsung Electronics in seinem aktuellen Geschäftsbericht für das zweite Jahresquartal von einem Betriebsgewinn von 89,4 Billionen Won (rund 51 Mrd. Euro) aus - so viel wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Steigerung des Betriebsgewinns um mehr als 1.800 Prozent. 

Damit verbucht Samsung das dritte Geschäftsquartal in Folge den jeweils höchsten Wert in seiner Unternehmensgeschichte. Zum Vergleich: Der operative Gewinn für das gesamte Jahr 2025 betrug 43,6 Billionen Won, also weniger als die Hälfte der aktuell prognostizierten Quartalszahlen. Den tatsächlichen Nettogewinn weist Samsung in seinem Geschäftsbericht - wie auch in früheren Geschäftsberichten - nicht separat aus. 

Der Grund für die rasant steigenden Profite ist der anhaltende Boom rund um künstliche Intelligenz. Weltweit ist die Nachfrage nach Rechenzentren sowie leistungsstarken Computer-Prozessoren regelrecht explodiert. Und sämtliche technische Geräte benötigen Speicherchips - jenem Segment also, in dem Samsung Electronics weltweit als Marktführer gilt. Da die Nachfrage die Produktionskapazitäten deutlich übersteigt, konnte Samsung zudem von den rasant gestiegenen Halbleiterpreisen zusätzlich profitieren.

Samsung-Aktie bricht zeitweise um zehn Prozent ein

Umso überraschender erscheint zunächst die Reaktion der Märkte: Der Aktienkurs von Samsung Electronics ist am Dienstag bis Handelsschluss um knapp 7 Prozent eingebrochen. Zeitweise stand der Kurs gar rund 10 Prozent im Minus. 

Ein Grund dafür ist laut Experten, dass der Markt die starken Gewinnzahlen bereits seit Monaten weitgehend eingepreist hatte. Die Erwartungen vieler Investoren sind derart hoch, dass sie selbst von einem historisch guten Geschäftsbericht kaum übertroffen werden können. 

Hinzukommt die von vielen Branchenbeobachtern geteilte Annahme, dass die KI-Investitionen, welche die Halbleiterindustrie antreiben, nicht auf ewig in einem derart rasanten Tempo weitergehen werden. Dementsprechend haben viele Investoren ihre Aktien nun verkauft, um bereits erzielte Profite abzusichern. 

Riesige Gewinne, doch auch riesige Investitionsausgaben

Nicht wenige Ökonomen sprechen gar vom ersten ernsthaften KI-Stresstest, der sich am Beispiel Samsung Electronics abspielen könnte: Trotz eines hervorragenden Geschäftsberichts zeigen sich die scheinbar überhitzten Märkte enttäuscht - nicht zuletzt, weil die führenden KI-Unternehmen nach wie vor keine nachhaltigen Geschäftsmodelle vorgelegt haben, um angesichts der riesigen Investitionssummen entsprechende Renditen einfahren zu können.

Samsung steht zudem unter Druck durch den heimischen Konkurrenten SK Hynix, der im Zuge des KI-Booms sogar einen noch spektakuläreren Siegeszug hingelegt hat. Der Tech-Konzern mit Sitz in der südkoreanischen Stadt Icheon profitiert davon, dass er sich bereits früh auf die Entwicklung sogenannter HBM-Chips (High Bandwidth Memory) spezialisiert hatte - einer Technologie, die derzeit besonders gefragt ist. Längst gilt SK Hynix als wichtigster Zulieferer von HBM-Chips für den US-Marktführer Nvidia. 

Im Juni hatte SK Hynix gar Samsung Electronics als größtes südkoreanisches Unternehmen nach Marktkapitalisierung abgelöst - wenn auch nur kurzzeitig. Nach aktuellem Stand führt Samsung die Rangliste wieder an. 

Trotz hoher Betriebsgewinne sind auch die Investitionsausgaben der Unternehmen riesig. Erst Ende Juni hatte Südkoreas Präsident Lee Jae Myung das wohl größte industriepolitische Projekt in der Geschichte des Landes vorgestellt. Demnach sollen Gelder im dreistelligen Milliardenbereich in die Chipproduktion, Rechenzentren und Robotik investiert werden. Im Zentrum steht ein umgerechnet rund 450 Milliarden Euro teures Halbleiter-Ökosystem im Südwesten des Landes, das mehrheitlich von Samsung Electronics und SK Hynix errichtet wird. 

Rekordgewinne lösen Verteilungsdebatte aus

In Südkorea haben die extrem hohen Unternehmensgewinne der großen Halbleiterproduzenten Samsung Electronics und SK Hynix zudem zu einer öffentlich debattierten Verteilungsfrage geführt. Ende Mai nahmen Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft nach einer Streik-Drohung einen Kompromissvorschlag des Managements an, der Jahresprämien von mehreren Hunderttausend Euro für jeden Mitarbeiter der hochprofitablen Halbleitersparte vorsieht. Zeitweise hatte Präsident Lee die Forderungen einiger Halbleitergewerkschaften als «exzessiv» kritisiert. 

Während die Tech-Unternehmen des Landes von der anhaltenden KI-Nachfrage profitieren und hohe Löhne sowie Prämien zahlen, läuft es in vielen anderen Industriezweigen Südkoreas derzeit eher durchwachsen. So ist die Arbeitslosenquote in der besonders betroffenen Altersgruppe unter 30 Jahren zuletzt deutlich gestiegen. Zudem wird befürchtet, dass der KI-Boom, von dem die südkoreanische Techbranche profitiert, gleichzeitig etliche Arbeitsplätze insbesondere im verarbeitenden Gewerbe überflüssig machen könnte. 

Bei den Geschäftszahlen von Samsung Electronics handelt es sich um eine erste Schätzung. Genauere Zahlen wird der Konzern erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen, voraussichtlich am Ende des Monats.