Rückschlag für Vodafone im Streit mit 1&1
Autor: dpa
, Sonntag, 06. Sept. 2026
Seit 2023 mischt 1&1 als vierter deutscher Handynetzbetreiber auf dem Mobilfunk-Markt mit. Sein Start war holprig - warum eigentlich? Bei der Antwort auf diese Frage zeigt 1&1 auf Vodafone.
Im Streit mit dem Wettbewerber 1&1 hat der Handynetz-Betreiber Vodafone einen Dämpfer hinnehmen müssen. Vodafone war im vergangenen Herbst vor das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf gezogen, um Vorwürfen des Marktmissbrauchs gegen sich einen Riegel vorzuschieben. Es wollte das Bundeskartellamt für parteiisch und befangen erklären lassen, wodurch Vodafone in der Auseinandersetzung mit 1&1 bessere Karten gehabt hätte.
Doch das OLG lehnte einen Vodafone-Eilantrag ab, wie das Gericht auf dpa-Anfrage mitteilte. Damit kommt es nicht zum sogenannten vorbeugenden Rechtsschutz. Nun darf das Kartellamt im separaten Bonner Marktmissbrauchsverfahren eine Entscheidung fällen - genau das hatte Vodafone verhindern wollen.
Worum es in dem Wettbewerber-Clinch geht
Hintergrund des Streits ist der Markteinstieg des Wettbewerbers 1&1, der 2019 erstmals eigene Mobilfunk-Frequenzen ersteigerte und in den Jahren danach mit dem Aufbau eines eigenen Netzes begann. Mit den etablierten Netzbetreibern Deutsche Telekom, O2 und Vodafone wollte er auf Augenhöhe kommen. Doch 1&1 kam nur im Schneckentempo voran. Anfang 2023 verfehlte die Firma aus Montabaur eine staatliche Ausbaupflicht deutlich: Statt 1.000 betrieb 1&1 nur fünf Handynetz-Standorte.
Das lag großteils daran, dass der Infrastruktur-Betreiber Vantage Towers seinem Kunden 1&1 viel weniger Standorte zur Verfügung stellte als vertraglich vereinbart. Bei Vantage Towers geht es um die frühere Funkturm-Sparte von Vodafone, die abgespalten wurde - es kamen andere Investoren an Bord, Vodafone blieb aber der größte Anteilseigner des Unternehmens.
1&1 mutmaßte, dass Vodafone Vantage Towers beeinflusst habe, damit die Firma dem lästigen Mobilfunk-Konkurrenten 1&1 weniger Standorte übergab und dessen Handynetz-Ausbau dadurch abgebremst wurde. Vodafone und Vantage Towers bestritten das.
Kartellamt äußert herbe Kritik an Vodafone
Das Kartellamt ging dem Verdacht von 1&1 nach und leitete 2023 ein Verfahren wegen Marktmissbrauchs gegen Vodafone ein. Später kamen die Wettbewerbshüter zu der vorläufigen Einschätzung, dass an dem Vorwurf etwas dran gewesen sei. Die verzögerte Bereitstellung der Standorte sei als kartellrechtswidrige Behinderung von 1&1 zu werten, erklärte Behördenchef Andreas Mundt im Frühjahr 2025.
Das brachte Vodafone auf die Palme. Die Firma zog alle juristischen Register und wollte die finale Entscheidung des Kartellamts noch verhindern, indem es die Bundesbehörde für befangen erklärte - aus dem Plan wurde aber vorerst nichts, wie die Düsseldorfer OLG-Entscheidung nun zeigt.