Passwörter im Alltag oft unsicher – was schützt wirklich?
Autor: Christoph Dernbach, dpa
, Mittwoch, 06. Mai 2026
Viele halten ihre Passwörter für sicher, doch nutzen kaum moderne Schutzmethoden. Warum das ein echtes Risiko ist – und wie Experten zur Passwort-Zukunft stehen.
Die Menschen in Deutschland, die sich im Internet bewegen, haben großes Vertrauen in ihre Passwörter, verhalten sich im Alltag aber oft leichtsinnig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag des eco – Verband der Internetwirtschaft zum Welt-Passwort-Tag. Rund drei Viertel der Befragten (74 Prozent) halten ihre eigenen Online-Passwörter für eher oder sogar sehr sicher. Lediglich 19 Prozent bewerten ihren Schutz als unsicher.
Diese gefühlte Sicherheit scheint jedoch eine Fehleinschätzung zu sein. Denn trotz der steigenden Gefahr durch Cyberkriminalität setzen die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Mehrheit auf veraltete und unsichere Verhaltensweisen. In der repräsentativen Umfrage unter 2.134 Befragten sagten nur 32 Prozent, dass sie das moderne Verfahren Passkeys verwenden, um sich biometrisch anzumelden. Und nur ein Viertel der Befragten schützt sich mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Passkeys deutlich sicherer
Passkeys gelten als besonders sicher, weil es kein Passwort gibt, das man erraten oder ausspähen kann. Ein Passkey ist ein digitaler Schlüssel, der automatisch auf dem Gerät (etwa Smartphone oder Laptop) gespeichert wird. Statt ein Passwort einzugeben, bestätigt man seine Identität mit einem Fingerabdruck, der Gesichtserkennung (Face ID) oder einer Geräte-PIN – so wie man ein Handy entsperren kann – nur eben für Logins.
Die Freischaltung mit Face ID oder Fingerabdruck funktioniert nur auf der echten Website. Daher ist das Risiko ausgeschlossen, dass man auf einer Fake-Website sensible Daten eingibt. Mit Passkeys bekommt man auch das Problem von wiederverwendeten Passwörtern in Griff, weil die biometrische Bestätigung das Passwort ersetzt.
Norbert Pohlmann, Vorstand für IT-Sicherheit im eco Verband, hält es bei der wachsenden Zahl an Online-Accounts für unrealistisch, sich alle Passwörter im Kopf zu merken. Das führe unweigerlich zu gefährlichen Notizen am Schreibtisch oder zur Mehrfachnutzung von Passwörtern. Er warnt: «Das reine Passwort-Verfahren ist die unsicherste Möglichkeit der Authentifizierung und ein massives Einfallstor für Ransomware-Angriffe.»
Bei Ransomware-Angriffen verschlüsseln Cyberkriminelle Daten auf Servern und Computern ihrer Opfer mit hochkomplexer Schadsoftware. Eine Entschlüsselung wird nur gegen Zahlung eines Lösegelds (englisch: ransom) in Aussicht gestellt.
Pohlmann geht aber davon aus, dass im Laufe der Zeit sich die modernen Authentifizierungsverfahren durchsetzen werden. Laut der YouGov-Umfrage loggen sich in der sogenannten Generation Z (18 bis 29 Jahre) bereits 41 Prozent passwortlos ein. Die Gesellschaft befindet sich laut Pohlmann in einer Übergangsphase, in der das Passwort zunehmend ergänzt oder ganz ersetzt wird.