Facebook-Konzern überholt Rivalen mit kleinem KI-Gerät
Autor: Andrej Sokolow, dpa
, Donnerstag, 24. Sept. 2026
Der ChatGPT-Entwickler OpenAI arbeitet an einem neuartigen Gerät für die KI-Ära. Doch nun dürfte es der Facebook-Konzern Meta sein, der solche Technik als Erster auf den Markt bringt.
Der Facebook-Konzern Meta will ein Gerät in der Größe eines Schlüsselanhängers für den Zugriff auf seine KI-Software etablieren. Es heißt Muse Charm und soll bis Jahresende auf den Markt kommen, wie Konzernchef Mark Zuckerberg auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect ankündigte.
Das Gerät bekommt ein kleines Display – sowie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Mikrofon, zwei Kameras und Internet-Anbindung über 5G-Datenfunk. Es sei noch nicht ganz fertig, schränkte Zuckerberg ein. Es gibt keine Angaben dazu, in welchen Ländern es herauskommen soll.
Mit dem Charm übernimmt Meta die Führung bei Versuchen, in der KI-Ära ein speziell darauf ausgerichtetes Gerät zusätzlich zum Smartphone auf den Markt zu bringen. Bisher war bekannt, dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI daran arbeitet. OpenAI holte dafür sogar den ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive an Bord, der Aussehen und Funktionsweise von iPhone, iPad und anderen Geräten mitgeprägt hatte.
Das Projekt geriet allerdings zuletzt in schwieriges Fahrwasser, weil Apple OpenAI in einer Klage vorwirft, Geschäftsgeheimnisse von abgeworbenen Mitarbeitern zu verwenden. Dem iPhone-Konzern zufolge arbeiten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI.
An Konkurrenz «vorbeigeschlichen»
Meta sei es gelungen, an Rivalen wie OpenAI «vorbeizuschleichen», sagte Branchenanalyst Avi Greengart von der Beratungsfirma Techsponential. Auf absehbare Zukunft werde zwar kein Gerät das Smartphone ersetzen. «Aber kann es ergänzt werden? Absolut!» Zugleich habe Meta zwar das Problem, dass viele Menschen dem Konzern beim Datenschutz misstrauten. Aber selbst inmitten der Beschwerden über die Kameras in Metas KI-Brillen würden Millionen der Geräte verkauft – und Milliarden nutzten täglich verschiedene Plattformen wie Instagram, Facebook und WhatsApp. Muse, einen auf den Alltag zugeschnittenen KI-Assistenten, hatte Meta erst vor wenigen Wochen in den USA herausgebracht.
Das neue KI-Gerät ist auch eine erneute Attacke auf die Dominanz von Apple und Google im Smartphone-Geschäft mit ihren beiden Betriebssystemen. Meta hatte in den vergangenen Jahren vergeblich versucht, unter anderem mit Brillen für Virtuelle Realität (VR) eine neue Computer-Plattform für die Zukunft zu etablieren. Das Smartphone erweist sich jedoch bisher weiterhin als der dominante Alltagscomputer. Der neue Apple-Chef John Ternus machte jüngst bei der Vorstellung neuer iPhone-Modelle deutlich, dass der Konzern seine Telefone weiterhin als tragende Säule des digitalen Alltags sieht.
Neue kompakte VR-Brille
Zugleich gibt Meta auch bei VR-Brillen nicht auf. Im Frühjahr soll ein neues Modell auf den Markt kommen, das leichter und deutlich dünner ist als Geräte der Konkurrenz. Die Meta VR Glasses wiegen nur 100 Gramm. Auch die kompaktesten bisherigen VR-Headsets wirken klobig dagegen, weil die Glasses die Form einer gewöhnlichen Brille haben. Statt Gläsern hat sie aber Displays vor den Augen. Mit Spielen, TV-Inhalten und 3D-Sportübertragungen sowie der Nutzung als PC-Monitor tritt Meta direkt gegen Apples Vision Pro an, die eher das Format einer Skibrille mit Aluminium-Rahmen hat.