Macht Tiktok süchtig? EU-Kommission droht mit Strafe
Autor: Ann-Kristin Wenzel und Benedikt von Imhoff, dpa
, Freitag, 06. Februar 2026
Wenn Teenies stundenlang Videos anschauen, kann das schädlich sein. Die Europäische Union kritisiert Tiktok. Worum es geht - und worüber aktuell diskutiert wird.
Achtung, Suchtgefahr: Mitten in der Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche knöpft sich die EU-Kommission die Online-Plattform Tiktok vor. Dem Unternehmen droht eine heftige Strafe. Es ist nicht der erste Tech-Gigant, gegen den die Brüsseler Behörde vorgeht. Das führte bereits zu Konflikten mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump, die das Vorgehen der EU-Kommission gegen US-Konzerne wie die Facebook-Mutter Meta als Angriff auf die Meinungsfreiheit einstuft.
Mit mehr als 200 Millionen Nutzern in Europa ist Tiktok eine der beliebtesten Plattformen - gerade bei jungen Menschen. Doch der Online-Riese verstößt nach den vorläufigen Ergebnissen einer EU-Untersuchung gegen europäisches Recht. Konkret geht es dabei nach den Angaben aus Brüssel um suchtfördernde Mechanismen - zum Beispiel um stark personalisierte Empfehlungen und das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos.
Ist Social Media etwas für Kinder?
Zwar ist der Fall noch nicht entschieden, und Tiktok kündigte Gegenwehr an. Dennoch dürfte die Einstufung die Diskussion darüber anheizen, ob Kinder und Jugendliche überhaupt soziale Medien nutzen dürfen.
Seit Mitte Dezember gilt bereits in Australien ein striktes Verbot für alle unter 16 Jahren. In Frankreich, Großbritannien und anderen Staaten gibt es ebenfalls Pläne und Initiativen, Minderjährigen unter 15 oder 16 Jahren die Nutzung zu untersagen. Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) hatte sich im November für Altersfreigaben und Schutzmechanismen für soziale Netzwerke nach dem Vorbild der FSK ausgesprochen, lehnte damals ein grundsätzliches Verbot aber ab.
«Wir müssen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, digitale Medien gesund zu nutzen», teilte Streeck nun mit. Noch wichtiger seien aber unter anderem eine starke Medienkompetenz und «klare und verbindliche Regeln für Plattformen». Besonders bei jungen Menschen, deren Selbstregulation sich noch entwickle, wirke besonders stark, was viele soziale Plattformen bewusst einsetzen: «Endlose Feeds, automatisches Abspielen und gezielte Belohnungsmechanismen verlängern die Nutzungsdauer und erschweren das Abschalten.»
Das Europäische Parlament hatte sich - ebenfalls im November - für ein EU-weites Mindestalter von 16 Jahren ausgesprochen. Jugendliche ab 13 Jahren könnten nach der Vorstellung der Abgeordneten unter elterlicher Aufsicht soziale Netzwerke nutzen. Der verabschiedete Bericht hat aber keine bindende Wirkung.
In der EU muss man derzeit grundsätzlich 13 Jahre alt sein, um soziale Medien zu nutzen: Ab diesem Alter können Jugendliche der Nutzung ihrer Daten zustimmen. Auch Tiktok schreibt vor, dass Jugendliche mindestens 13 Jahre alt sein müssen, um einen Account anzulegen.