Apple wird 50 - Vom Garagenstart zum Tech-Giganten
Autor: Christoph Dernbach und Andrej Sokolow, dpa
, Mittwoch, 01. April 2026
Fast pleite - dann Milliardenkonzern: Wie Apple in 50 Jahren die Technikwelt prägte und heute Produkte für Milliarden Menschen liefert.
Rund um den Globus besitzen schätzungsweise 2,8 Milliarden Menschen ein iPhone oder ein anderes Gerät von Apple. Das entspricht rund 27 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Wäre Apple ein Land, so wäre die Einwohnerschaft größer als in Indien oder in China. Und auch 50 Jahre nach der Gründung des Unternehmens am 1. April 1976 ist ein Ende des Erfolgs nicht absehbar. Apple verkauft schätzungsweise 220 Millionen iPhones jedes Jahr und spült damit 1 Million Dollar alle 90 Sekunden in die Kasse.
Dabei waren es außergewöhnliche Umstände, die überhaupt dafür gesorgt haben, dass Apple geboren wurde. Die Gründerväter Steve Jobs und Steve Wozniak hätten sich vielleicht nie getroffen, wenn Bill Fernandez nicht Schicksal gespielt hätte. Fernandez war ein Schulfreund von Jobs - und zugleich Nachbar von Wozniak. Und als Jobs ihn eines Tages besuchte, dachte sich Fernandez, wie er jüngst erzählte: «Der eine interessiert sich für Elektronik, der andere interessiert sich für Elektronik, sie würden sich wahrscheinlich gern kennenlernen». Jobs war damals 15 und Wozniak fast fünf Jahre älter.
Mit der «Blue Box» beinahe in den Knast
Das erste gemeinsame Projekt brachte die beiden Steves fast hinter Gitter. Sie hatten «Blue Boxen» gebaut, mit denen man das Telefonsystem der USA manipulieren konnte, um kostenlos Anrufe rund um die Welt zu starten. Für «Woz», wie ihn die Freunde nannten, war das alles nur ein Hobby. Steve Jobs hingegen erkannte bereits damals das kommerzielle Potenzial. Doch nachdem sie beinahe von der Polizei erwischt worden waren, ließen sie das illegale Treiben sein.
Beide Steves träumten nun davon, einen eigenen Computer zu besitzen. Rechenanlagen waren damals so groß wie Kühlschränke und für normale Menschen unerreichbar. Der geniale Tüftler Wozniak ließ sich von den Hürden aber nicht abschrecken und baute sich mit den ersten verfügbaren Chips selbst einen Computer - den Apple I, den ersten PC der Welt. Jobs wusste sofort, dass man mit dem Apple I nicht nur die Freunde im Computerclub beeindrucken, sondern ein großes Geschäft machen kann.
«Ich versuchte nie, ein Business oder eine Industrie zu starten», sagte der heute 75-jährige Wozniak jüngst bei einer Jubiläumsfeier. «Ich wollte nur, dass andere Ingenieure sich meine Designs anschauen und sagen: "Wow, der denkt anders"» Jobs hingegen habe das Geschäftspotenzial gesehen - auch weil er ständig blank gewesen sei, schmunzelte Wozniak. «Wir hatten kein Geld, wir hatten keine Ressourcen, wir hatten keine Geschäftserfahrung.» Wozniak bot den Computer-Entwurf erst seinem damaligen Arbeitgeber Hewlett-Packard an - der passte.
Der Teddybär und der Businessman
Die Initialzündung war eine von Jobs besorgte Order des Computerladens «Byte Shop» aus Mountain View: Besitzer Paul Terrell erklärte sich bereit, 50 Computer für jeweils 500 Dollar abzukaufen. «Ich erinnere mich an einen Teddybären namens Steve Wozniak und einen Geschäftsmann namens Steve Jobs», sagt Terrell heute. Die schriftliche Zusage des Betrags von 25.000 Dollar erlaubte es den beiden Steves erst, auf Kredit die nötigen Bauteile zu besorgen. Gelötet wurde in der Garage von Jobs' Elternhaus.
Um das Business in ordentliche Bahnen zu lenken, wurde am 1. April 1976 die Firma Apple Computer Company ins Leben gerufen. «Die besondere Stärke von Apple lag sicherlich in der Kombination von Steve Wozniak und Steve Jobs, die sich nahezu perfekt ergänzten», sagt Michael Mikolajczak, Kurator im Heinz Nixdorf MuseumsForum. «Wozniak war das technische Gehirn. Jobs hingegen der Ästhet und das Marketinggenie.»
Der vergessene dritte Gründer
Der Gründungsvertrag wurde nicht nur von den beiden Steves unterschrieben, sondern auch von Ron Wayne (damals 41), der die Rolle des Erwachsenen im Raum übernehmen sollte. Der heute fast in Vergessenheit geratene dritte Gründer bekam aber schon wenige Tage nach der Vertragsunterzeichnung kalte Füße und schreckte vor dem Haftungsrisiko zurück. Wayne stieg aus der Firma aus und bekam nach einigen Wochen kommentarlos von Steve Jobs einen Scheck über 800 Dollar zugeschickt. «Um ehrlich zu sein, dachte ich, es sei ein Trinkgeld. Und zwar ein ziemlich mickriges. Ich hatte nämlich ziemlich viel geleistet», sagte Wayne auf einer Veranstaltung des Computer History Museums im Silicon Valley zum 50. Apple-Jubiläum. Seine Anteile wären heute viele Milliarden Dollar wert.
Nachdem der Apple I noch als Bausatz angeboten wurde, erkannten beide Steves recht schnell, dass nur ein kompletter «fertiger» Computer zukunftsfähig war. Mit dem Apple II setzte «Woz» diese Idee um: ein Rechner mit integrierter Tastatur, ansprechendem Design, den man direkt an den Fernseher anschließen konnte. «Wozniak hatte einen Computer geschaffen, der sich an den Endverbraucher richtete und nicht nur an Technikfreaks und Bastler», sagt Computer-Historiker Mikolajczak.