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Explosion in Lyon: Fahndungsfoto veröffentlicht - Kind (8) unter den Verletzten


Autor: Redaktion

Lyon, Samstag, 25. Mai 2019

Im französischen Lyon hat sich am Freitag (24. Mai 2019) eine Explosion in der Innenstadt ereignet. Es gibt mehrere Verletzte. Frankreichs Präsident Macron sprach von einem "Angriff". Die Ermittler haben einen schlimmen Verdacht. Die aktuelle Lage im Überblick.
Vor einer Bäckerei in Lyon (Frankreich) hat sich am Freitag eine Explosion ereignet. Foto: Sebastien Erome/AP/dpa


Explosion in Innenstadt von Lyon: In der Innenstadt der südostfranzösischen Stadt Lyon hat sich am Freitagabend eine Explosion ereignet.

Wer ist der Mann mit dem Fahrrad?

Nach der Explosion im Herzen der französischen Großstadt Lyon mit mindestens 13 Verletzten haben Ermittler nach einem Tatverdächtigen gefahndet. Die Polizei veröffentlichte in der Nacht zum Samstag das Bild von einem Mann, der eine dunkle Sonnenbrille trägt und ein Fahrrad schiebt.

Das Motiv des Mannes, der laut Medien rund 30 Jahre alt sein soll, blieb zunächst unklar. Unter den Verletzten ist nach Informationen des Nachrichtensenders BFMTV auch ein achtjähriges Kind.

Explosion in Lyon: Mindestens acht Verletzte - war es eine Briefbombe?

Laut Medienberichten wurden dabei mehrere Menschen verletzt. Die zuständige Präfektur berichtete von acht verletzten Menschen und rief Passanten auf, das Gebiet zu meiden. Ein Sicherheitsbereich wurde eingerichtet. Der Sender BFMTV sprach von mindestens 13 Verletzten - darunter sei auch ein Kind. Die Polizei bestätigte diese Angaben auf Nachfrage nicht und sprach von Leichtverletzten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem "Angriff". Es gebe zum jetzigen Zeitpunkt keine Toten, sagte er am Freitagabend im Interview des YouTubers Hugo Travers.Seine Gedanken seien bei den Angehörigen.

Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen übernommen. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner wies die Präfekten im Land an, die Sicherheitsmaßnahme an Orten zu verstärken, an denen sich viele Menschen aufhalten. Das seien etwa Sport- oder Kulturveranstaltungen.

Der Sender Franceinfo berichtete unter Berufung auf das französische Innenministerium von einem Beutel auf dem Boden an einer Straßenkreuzung, der einen Sprengsatz mit Schrauben enthalten haben soll. Der Pariser Anti-Terror-Staatsanwalt Rémy Heitz kündigte an, nach Lyon zu fahren.

Terror-Ermittler fahnden nach verdächtigem Mann auf Fahrrad

Die Polizei fahndete am Abend nach einem Mann, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Medienberichten zufolge soll er mit einem Fahrrad geflohen sein und den Sprengsatz zuvor an der Bäckerei deponiert haben.

Schock kurz vor der Europawahl - Aufwind für Rechtspopulisten?

Die Explosion trifft Frankreich kurz vor der Europawahl. Premierminister Édouard Philippe sagte seine Teilnahme an einer Abschluss-Wahlkampfveranstaltung ab, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichte. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen sprach von einem "terroristischen Anschlag".

Die Hintergründe der Tat waren jedoch zunächst unklar. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert, dabei wurden rund 250 Menschen getötet. Erst im Dezember hatte der mutmaßliche Islamist Chérif Chekatt in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet - es starben letztlich fünf Menschen, zudem wurden zahlreiche verletzt.

Die örtliche Präfektur dementierte am Abend Gerüchte, wonach es weitere Explosionen gegeben haben soll. Zwei Metrostationen in der Innenstadt wurden geschlossen, der Bereich rund um den Tatort abgesperrt. Die Präfektur rief Anwohner auf, sich fernzuhalten und keine Gerüchte zu verbreiten. Man dürfe nun die Bevölkerung nicht aufschrecken, sagte David Kimelfeld, Präsident der Metropolregion Lyon, dem Sender BFMTV.

Augenzeugen berichten von lautem Knall in Lyon

Augenzeugen der Explosion in Lyon berichteten nach Angaben von Franceinfo von einem lauten Knall. Verängstigte Menschen seien über die Straße gelaufen. Die Polizei war demnach schnell an Ort und Stelle und sperrte den Tatort ab.

Einige der Menschen seien an den Beinen leicht verletzt worden, erzählte ein Apotheker, dessen Geschäft gegenüber der Bäckerei liegt, zu BMFTV. Die Verletzungen stammten seinen Angaben nach von kleinen Kugeln und Schrauben. Nach der Explosion habe es keine Panik gegeben, sagte Bezirksbürgermeister Denis Broliquier. Es gebe keine Gefahr für die Bewohner des Viertels.

Lyon liegt im Südosten Frankreichs, es ist die Hauptstadt des Département Rhône und der Region Auvergne-Rhône-Alpes und mit mehr als 515.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Frankreichs nach Paris und Marseille. Im Sommer 2015 wollte ein Islamist in einem Industriegas-Werk eine Explosion herbeiführen, wurde aber überwältigt. Er hatte zuvor seinen Chef enthauptet.

Erst im Januar diesen Jahres waren bei einer Gas-Explosion in einer Bäckerei in Paris vier Menschen gestorben.

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