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Diese Waldpilze sind immer noch radioaktiv belastet


Autor: epd

Salzgitter, Dienstag, 26. Sept. 2017

Waldpilze in Bayern sind immer noch mitunter stark radioaktiv verstrahlt. Auch 31 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl zeigen sich die Folgen.
Die Pilze in bayerischen Wäldern sind auch über 30 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl radioaktiv belastet. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa


Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl sind einige Wildpilzarten in Teilen Bayerns nach wie vor stark mit radioaktivem Cäsium-137 belastet. Betroffen sind unter anderem die Pilzarten Braunscheibige und Orangefalbe Schnecklinge, Gemeine Erdritterlinge, Semmelstoppelpilze, Rotbraune Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge und Braune Scheidenstreiflinge, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Dienstag in Salzgitter mitteilte.

Diese Pilzarten könnten noch bis zu einige tausend Becquerel (Bq) Cäsium-137 pro Kilogramm aufweisen. Die Einheit Becquerel gibt die Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Sekunde an. In Norddeutschland hatte sich nach dem Tschernrobyl-Unfall im Frühjahr 1986 deutlich weniger Cäsium-137 abgelagert.

Deutschlandweit seien die höchsten Radiocäsiumgehalte in Wildpilzen in den damals außergewöhnlich hoch kontaminierten Gebieten im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt und in der Region Mittenwald zu erwarten, hieß es.

Wildpilze, die den Grenzwert für Radiocäsium in Höhe von 600 Becquerel pro Kilogramm überschreiten, dürfen in Deutschland nicht in den Handel gebracht werden. Die Einhaltung dieses Grenzwertes wird von der amtlichen Lebensmittelüberwachung stichprobenartig kontrolliert.

Eine einzige Mahlzeit mit höher belasteten Wildpilzen kann mehr Cäsium-137 enthalten als Verbraucher mit Lebensmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion in einem ganzen Jahr zu sich nehmen. Sofern selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen verzehrt werden, müssen Verbraucher dem BfS zufolge aber nicht mit negativen gesundheitlichen Folgen wegen des Radioaktivitätsgehalts rechnen.


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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät jedoch auch aus anderen Gründen, den Verzehr von Wildpilzen auf 250 Gramm pro Woche zu beschränken. Sie können giftige Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium anreichern.