• Die Zahl der Alkoholkranken in Deutschland steigt
  • Im Nordosten Deutschlands gibt es besonders viele Betroffene
  • Im bundesweiten Vergleich hat Bayern eine überraschende Platzierung erhalten

In Deutschland gibt es 14 Alkoholkranke je 1.000 Personen. Das zeigt eine Auswertung des BARMER Instituts für Gesundheitsforschung (bifg). In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Menschen mit der Diagnose Alkoholabhängigkeit von 1,09 auf 1,15 Millionen Betroffenen gestiegen. Bundesweit gibt es erhebliche regionale Unterschiede bei der Alkoholabhängigkeit. So stellten Ärzt*innen im Jahr 2020 in Bremen bei ganzen 22 je 1.000 Personen eine Alkoholabhängigkeit fest. Dort gibt es also über 50 Prozent mehr alkoholkranke Menschen als im bundesweiten Durchschnitt. Am wenigsten Betroffene gibt es mit 11 je 1.000 Personen in Rheinland-Pfalz. Die leitende Medizinerin bei der BARMER Dr. Ursula Marschall erklärte, dass die deutlichen regionalen Unterschiede rein medizinisch nicht erklärbar seien. "Hier dürften auch soziodemografische Faktoren eine Rolle spielen", vermutete die Fachärztin.

Im Vergleich liegt Bayern auf überraschendem Platz

Das Ergebnis der Auswertung für alle Bundesländer kann man in der Karte erkennen. Dort ist die Anzahl der Patient*innen mit Alkoholabhängigkeit im Jahr 2020 in den 16 Bundesländern Deutschlands veranschaulicht. Die Farbskala entwickelt sich von grün nach rot. Das dunkle grün steht dabei für die geringste Anzahl und das rot zeigt an, wo es die meisten betroffenen Patientinnen und Patienten gab. Überraschenderweise liegt das Bierland Bayern deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Dort liegt die Zahl bei 13 Alkoholabhängigen je 1.000 Personen.

Insgesamt ist die Zahl der Alkoholabhängigen vor allem im Nordosten Deutschlands besonders hoch.  Auch deutlich mehr Männer als Frauen sind davon betroffen. Demnach waren im letzten Jahr 820.000 Männer und 329.000 Frauen erwiesenermaßen alkoholabhängig. 

Das untenstehende Diagramm zeigt zudem, dass vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte zu den Betroffenen gehören. In der Altersgruppe der 55- bis 60-Jährigen waren 2020 rund 131.000 Männer und 51.000 Frauen alkoholabhängig. Diese Generation der Babyboomer ist derzeit am meisten von der Krankheit betroffen.

Die Abhängigkeit entwickelt sich mehrheitlich im Laufe vieler Jahre. Ursachen für die Erkrankung können laut Dr. Marschall ganz individuell sein. Schicksalsschläge und auch die Sozialisation der Menschen können dabei eine Rolle spielen. 

So hatte Alkohol beispielsweise für die Generation der Babyboomer gerade in Zeiten des Wirtschaftswunders einen besonderen Stellenwert. Heutzutage stehen die Risiken des Alkoholkonsums deutlich stärker im Vordergrund.

Wie kann man eine Alkoholabhängigkeit erkennen?

Der Alkoholatlas 2017 des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz.) hat verschiedene Diagnosekriterien für eine Alkoholabhängigkeit zusammengestellt. Demzufolge besteht ein Alkoholabhängigkeitssyndrom dann, wenn während des vergangenen Jahres mindestens drei dieser Kriterien gleichzeitig vorliegen:

  • ein starkes Verlangen oder ein Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • Schwierigkeiten, den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums zu kontrollieren
  • ein körperliches Entzugssyndrom, wenn kein oder weniger Alkohol getrunken wird
  • fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums
  • fortgesetzter Alkoholgebrauch, obwohl Folgeschäden bestehen
  • Toleranzentwicklung: Es sind zunehmend größere Mengen Alkohol notwendig, um eine Wirkung zu erzielen

Wer von einer Alkoholsucht betroffen ist, kann unter anderem hier Hilfe bekommen.

Vorschaubild: © Lisa Herbst/ inFranken.de