Die Stadt Münster hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Antrag gestellt, der viele hellhörig werden lässt: In einem Modellversuch soll es 100 Probanden ermöglicht werden, ein Jahr lang legal Cannabis zu konsumieren. Pro Woche sollen diese Personen zwei Gramm gratis von der Stadt Münster erhalten.

Man kann sich allerdings nicht bei der Stadt bewerben. Stattdessen sollen die Probanden per Zufallsverfahren ausgewählt werden. Rund 2000 Menschen werden dann nach dem Plan der Stadt angeschrieben. Sie müssen ihren Wohnsitz in Münster haben und zwischen 21 und 63 Jahren alt sein. Aus den Studienwilligen werden dann 200 ausgewählt. Die Hälfte erhält kostenloses Gras, die andere Hälfte ist die Kontrollgruppe.


Stadt Münster aktiv für Legalisierung von Cannabis

Die Studie will herausfinden, ob der Konsum von Cannabis Einfluss auf das soziale oder berufliche Leben der Probanden hat, ob die persönliche Zufriedenheit gesteigert wird und ob etwa andere Suchtmittel reduziert aufgenommen werden.

Die Stadt Münster möchte mit der Studie zeigen, dass eine Legalisierung von Cannabis möglich und nicht schädlich wäre. Der Stadtrat hatte bereits 2015 beschlossen, "Bestrebungen zur Entkriminalisierung des Cannabiskonsums aktiv zu begleiten". Bis auf die CDU stimmten damals alle Parteien im Stadtrat dieser Initiative zu.


Kritik an der Studie

Kritik an der Studie kam ausgerechnet von den Hanffreunden Münster. Diese seien zwar prinzipiell erfreut über die Studie, man sehe die kostenlose Abgabe jedoch kritisch: "Wenn die Stadt Freibier ausgeben würde, würde auch mehr Alkohol getrunken werden. Somit werden die Forschungsergebnisse verzerrt. Außerdem könnte die Stadt durch die Abgabe zum Marktpreis hohe Einnahmen erzielen", heißt es in einer Pressemitteilung. "Das Projekt soll die Auswirkungen einer Cannabislegalisierung prüfen, nicht die Auswirkung von Gratis Gras." Der Vorschlag der Hanffreunde lautet dagegen, das Cannabis gegen einen fairen Marktpreis abzugeben - 10 Euro.
Seit März 2017 ist Cannabis in Deutschland für Patienten, die unter starken Schmerzen leiden oder schwer krank sind, nicht mehr illegal. Sie können Cannabis auf Rezept erhalten. Dies befeuerte die Debatte über eine mögliche Legalisierung von Cannabis erneut. Gegner einer Legalisierung fürchten, Jugendliche kämen so noch leichter an eine "Einstiegsdroge", während Befürworter in einer Legalisierung eine Eindämmung des illegalen Handels sehen.