Die neue Hit-Single "Vincent" von Sängerin Sarah Connor polarisiert. In dem Song geht es um einen homosexuellen Jugendlichen, der sich Gedanken über sein Coming-Out macht. Aufgrund einer bestimmte Textstelle entschloss sich der Radiosender "Antenne Bayern" die Single nicht öffentlich abzuspielen.

Der Song "Vincent" ist momentan in aller Munde. Die Single ist der Eröffnungssong des neuesten Albums der deutschen Chartsängerin Sarah Connor. Die Singleauskopplung kletterte nach seiner Veröffentlichung direkt an die Spitze der iTunes-Charts und fand großen Anklang bei den Fans der Musikerin. Der Text des Liedes spiegelt das Leben eines homosexuellen Jungen wider, der sich Gedanken über sein Coming-Out macht. Es werden bestimmte Lebenssituationen beschrieben und den Refrain bildet ein Gespräch zwischen Mutter und Sohn. Laut Sarah Connor basiert der Song auf dem Leben eines Jungen, der tatsächlich Vincent heißt.

Aufgrund der ersten Textzeile des Stücks haben sich mehrere Radiosender dazu entschlossen, die Single nicht in ihr Musikprogramm aufzunehmen.

Antenne Bayern boykottiert den Radio-Hit

"Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt": So lautet die erste Zeile des Songs "Vincent" von Sarah Connor. Dem Radiosender Antenne Bayern zufolge, sei die Textstelle alles andere als "familientauglich". Mit mehr als vier Millionen Hörer am Tag war die Radiostation der meistgehörte Sender Bayerns im vergangen Jahr. Durch die große Reichweite hat Antenne Bayern auch gewisse Verantwortung gegenüber seinen Hörern. Gegenüber der BILD-Zeitung erklärte Ina Tenz, die Programmdirektorin des Privatsender, die Streichung des Songs aus dem Musikprogramm wie folgt:

"Ich war blitzverliebt in das Lied. Es ist musikalisch toll und die Aussage auch. Aus programmverantwortlicher Sicht als Familiensender haben wir uns gefragt: Hätte ein solcher Song den ersten Satz, ein so hart gezeichnetes Bild gebraucht, wenn Eltern zwischen dem Einkaufsladen und dem Badesee von ihren kleinen Kindern gefragt werden, was das bedeutet. Und für viele Vincents könnte es auch ein Spießrutenlauf werden. Wenn die Zeile aus dem Zusammenhang zum Hänseln genutzt wird."

Sarah Connor reagierte auf die Vorwürfe in einem BILD-Interview: "Ich habe den Song meiner Plattenfirma und meinen Kindern vorgespielt. Ehrlich gesagt gab es niemanden, der nicht am Ende des Songs verstanden hat, dass es um Liebe geht".

"Homophobe Radiostation": Connor bekommt Unterstützung

Aber die Popsängerin steht nicht alleine da. Die deutsche Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker ("Keinohrhasen", "Traumfrauen") stellte sich hinter die Sängerin und schrieb auf Instagram: "Liebe homophobe Radiostationen, ihr spielt ernsthaft 'Vincent' von Sarah Connor nicht, aus Angst um die Jugend? Ich krieg' keinen mehr hoch, wenn ich an Euch denke." Man sollte allerdings beachten, dass der Radiosender den Song nicht aufgrund der Thematik von Homosexualität aus dem Musikprogramm genommen hat, sondern wegen der Wortwahl der ersten Zeile.

Einige Radiosender gaben dem Song ebenfalls Zuspruch. Der Programmchef von Bayern 3 beteuerte, dass der Song gut bei den Zuhörern ankäme und dass es bisher so gut wie keine Beschwerden gab. Im Gegenteil sogar: Die Leute fänden es gut, dass sich eine Mainstream-Künstlerin wie Sarah Connor eines solchen Themas annehme. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) stellte klar: "Aus Sicht des NDR verstößt der Titel nicht gegen den Jugendmedienschutz", wie t-online berichtete.

Nun nahm auch der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) Stellung zum Thema. Der LSVD-Sprecher Markus Ulrich äußerte sich am Donnerstag (6. Juni) gegenüber der Deutschen Presse Agentur. Er hält die Debatte für verkrampft und die Kritik am Wort "Hochkriegen" für vorgeschoben. "Das sind Themen, die Jugendliche bewegen, die gehen da viel offener mit um."

"Wir halten uns für toleranter und offener, als wir tatsächlich sind"

Für den ganzen Wirbel um den Song hat die Popsängerin kein Verständnis. "Wir tun ja immer so, als wäre es überall, als wäre es völlig in Ordnung, und dann bringt es ein Song auf den Punkt, und dann gibt's plötzlich Ressentiments" , so Sarah Connor in einem RTL-Interview.

Einen positiven Effekt könnte die ganze Diskussion trotzdem haben. Die Sängerin erhofft sich, dass durch das Lied die Debatte rund um das Thema Homosexualität wieder angestoßen wird. In einem Interview der BILD-Zeitung sagte sie:"Ich wünsche mir, dass man über 'Vincent' spricht und sich selbst fragt, warum einem die erste Zeile eigentlich so aufstößt, wenn es so ist. Ich glaube, wir halten uns für toleranter und offener, als wir tatsächlich sind."

Medienberichten zufolge würde Antenne Bayern die Single in einer Art "entschärften" Version spielen wollen. Einige Radiosender wie beispielsweise Hitradio Antenne 1 in Stuttgart spielen bereits eine abgeänderte Variante des Songs. Das Management der Künstlerin steht zur Zeit mit mehreren Radiostationen in Verbindung, um über eine mögliche neue Version zu verhandeln.

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