Druckartikel: Vor Spiel in Nürnberg: Unruhige Zeiten im "Ländle"

Vor Spiel in Nürnberg: Unruhige Zeiten im "Ländle"


Autor: Redaktion

Nürnberg, Mittwoch, 07. November 2018

Den schlechtesten Saisonstart seiner Geschichte legt der VfB Stuttgart hin. Guido Buchwald übt Kritik, Jürgen Klinsmann bringt sich in Stellung.
Beim "Spiel der Legenden" im August  streifte Jürgen Klinsmann noch einmal das Trikot des VfB Stuttgart über, jetzt kann er sich einen Managerjob bei den Schwaben gut vorstellen.Marijan Murat/dpa


Der VfB Stuttgart, der am Samstag in der Bundesliga beim 1. FC Nürnberg ran muss, hat gewiss schon ruhigere Zeiten erlebt als in diesen Tagen. Weil das Sportliche den internen und externen Erwartungen diametral gegenübersteht, kommt es außerhalb der Mercedes-Benz-Arena zu Einschätzungen, Bewertungen und Kontroversen über die Verantwortlichkeiten für den schlechtesten Saisonstart in der Geschichte - und welche Maßnahmen nun ergriffen werden müssten, um die Sache wieder ins Lot zu bringen. Und die Zahl derjenigen, die meinen, dazu ihren Beitrag leisten zu müssen, nimmt stetig zu.

Fakt ist: Auf dem Rasen hat das durchaus begabte und keineswegs kostengünstige Personal bislang seine Bundesligatauglichkeit nur unzureichend unter Beweis gestellt - was dem dreimaligen Deutschen Meister zusammen mit Aufsteiger Fortuna Düsseldorf die Rote Laterne eingebracht hat. Mit jeweils fünf Punkten und 6:24 Toren zieren die beiden Landeshauptstädter das Tabellenende.

Der Unterschied zu den Rheinländern besteht jedoch darin, dass die Stuttgarter schon einen Wechsel auf der Trainerposition vorgenommen haben. Allerdings hat sich der Austausch - Tayfun Korkut musste gehen, Markus Weinzierl wurde geholt - noch nicht bemerkbar gemacht. Im Gegenteil: Unter Weinzierl gab es drei Niederlagen und 0:11 Tore - und den Sturz ans Tabellenende. Läuferische Defizite, ein mitunter naives Abwehrverhalten und in Teilen mangelnde Einsatzbereitschaft haben den Abschwung beschleunigt. VfB-Kapitän Christian Gentner brachte die Situation gegenüber den Stuttgarter Nachrichten auf den Punkt: "So hast du keine Chance, in der Liga zu bleiben."

Dietrich kündigt Konsequenzen an

Angesichts der sportlichen Tristesse rumort es kräftig im Klub. Michael Reschke, Vorstand für den Bereich Sport, sieht sich zunehmend mit kritischen Aussagen hinsichtlich seines Wirkens konfrontiert. So sei die vorzeitige Vertragsverlängerung von Tayfun Korkut bis 2020 "unnötig zu diesem Zeitpunkt gewesen", war von VfB-Legende Guido Buchwald bei Sport1 zu vernehmen gewesen. Bemerkenswert ist die Aussage insofern, weil der Weltmeister von 1990 keiner aus der Abteilung Lautsprecher ist.

Buchwalds Aussagen riefen, den Präsidenten und Aufsichtsrat-Vorsitzenden Wolfgang Dietrich auf den Plan. "Aktuell haben wir definitiv wichtigere Themen auf der Agenda, als derartige Interviews zu kommentieren", hatte er gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärt. Buchwald, der auch dem Aufsichtsrat angehört, müsse sich auf Konsequenzen einstellen.

Das Herz schlägt für den VfB

Doch von Ruhe und Konzentration auf das sportlich so eminent wichtige Spiel beim 1. FC Nürnberg war auch in dieser Woche nicht viel zu spüren - weil Welt- und Europameister Jürgen Klinsmann (54) gegenüber der Welt kundgetan hatte, "zurück ins Spiel" zu wollen. Er könne sich einen Managerjob vorstellen, weil sein Herz noch immer für den VfB schlage. Fortan wurde darüber spekuliert, ob der ehemalige Bundestrainer einen Posten im operativen Geschäft ins Auge fasst oder gar Michael Reschke ablöst.

Alles andere als ideale Voraussetzungen vor dem Vergleich mit dem 1. FC Nürnberg. Hinzu kommt, dass Markus Weinzierl Verletzte zu beklagen hat: Der türkische Nationalspieler Berkay Özcan zog sich einen Riss des Syndesmosebandes im Fußgelenk zu. Ob es für einen Einsatz von Pablo Maffeo (Außenband-Teilriss im Sprunggelenk) reicht, ist ungewiss.Zuwachs bekommt Weinzierl hingegen im Trainerstab: Bis Weihnachten zeichnet der ehemalige türkische Nationalspieler Halil Altintop für "individuelle Maßnahmen" verantwortlich. Die beiden kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Augsburg.