Robert Palikuca (v. li.), Sven Mislintat und Michael Reschke: Drei Beispiele, die zeigen, dass Scouts, Kaderplaner und Nachwuchsverantwortliche in Führungspositionen angekommen sind
Raus aus dem Schatten, rein ins Rampenlicht. Immer häufiger rücken Scouting-Verantwortliche und Kaderplaner aus der zweiten Reihe in Führungs-Etagen auf. Ein vorübergehender Trend oder die logische Konsequenz, dass sich die Zeiten des "Manager-Alphatiers" in einer stetig professioneller und damit zunehmend komplexer werdenden Fußball-Branche dem Ende zuneigen?
Michael Reschke, der einst bei Bayer Leverkusen Leiter der Nachwuchs- und Scouting-Abteilung war, ehe er das Interesse des FC Bayern München weckte, war einer der ersten "Schatten-Männer", die aufgrund ihrer fachlichen Qualitäten und ihres umfangreichen Netzwerks in eine Führungsposition gelangten und von denen die Öffentlichkeit fortan Notiz nahm.
Geschick bei der Rekrutierung
Beim deutschen Rekordmeister, der ihn 2014 aus Leverkusen abgeworben hatte, wurde Reschke, 1957 in Frechen geboren, mit dem Titel "Technischer Direktor" ausgestattet. 2015 stellte der "Perlentaucher", wie Reschke in der Szene genannt wird, mit der Verpflichtung von Joshua Kimmich für 8,5 Millionen Euro sein Können und sein Geschick bei der Spieler-Rekrutierung unter Beweis.
Im August ging es die nächste Stufe auf der Karriereleiter hoch. Nachdem der FC Bayern Hasan Salihamidzic installiert hatte - und "Brazzo" damit Reschkes Vorgesetzter wurde -, wechselte dieser, ausgestattet mit einem Drei-Jahres-Vertrag, als Sportvorstand zum VfB Stuttgart - der Rheinländer war auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen.
Dass Reschke, dessen unglückliche Trainer- und Spielerauswahl mit dazu geführt hat, dass die Schwaben wohl bis zum Ende dieser Saison im Abstiegskampf stecken werden, vorzeitig von seinem Vertrag entbunden wurde und der VfB mit Sven Mislintat das einstige "Diamantenauge" von Borussia Dortmund in Reschkes bisherige Position befördert hat, ist die konsequente Fortführung eines Wegs, den mittlerweile mehrere Klubs eingeschlagen haben. Auch der 1. FC Nürnberg, der Robert Palikuca (40) vom Ligarivalen Fortuna Düsseldorf abwarb, stellt sich in der sportlichen Führungsebene neu und vor allem breiter auf.
Vorbei scheinen die Zeiten eines Rainer Calmunds in Leverkusen, eines Felix Magaths (u.a. Bayern München und VfL Wolfsburg) und eines Christian Heidels (Mainz und Schalke), die ob ihrer Machtfülle, mit der sie ausgestattet worden waren, eine Mannschaft quasi allein zusammenstellten. Und vorbei sind längst die Zeiten, in denen ein Trainer mit einer "Wunschliste" zu seinem Geschäftsführer oder Manager gegangen ist mit der Bitte, er möge doch Spieler X, Y oder Z verpflichten. Der Trainer in den 80er und 90er Jahren hatte sich um die sportlichen Belange gekümmert; der Manager um das Administrative. Dazu zählten Verhandlungen hinsichtlich der Ablösesumme und des Gehalts sowie die Gespräche mit den Spielerberatern beziehungsweise der Familie.
Auch Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, konstatierte unlängst gegenüber der Rheinischen Post, dass es ein Ansatz sein könne, das "Team Sport" weiter zu stärken. Schließlich habe sich dieses seit zehn Jahren nicht verändert, gleichwohl sei die Borussia in dieser Zeit sehr stark gewachsen. So ist denkbar, dass Eberl einen Teil seiner Sportdirektoren-Kompetenz an eine andere Person abgibt und selbst in eine übergeordnete Position wechselt.