WM-2026: Angespannte Atmosphäre bei Iran-Spiel - Ordner greifen durch
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Los Angeles, Dienstag, 16. Juni 2026
Die Mannschaft des Iran steht aufgrund der politischen Lage bei der Weltmeisterschaft im Rampenlicht. Entsprechend angespannt war die Atmosphäre rund um das Auftaktmatch gegen Neuseeland.
Dass das Spiel des Iran gegen Neuseeland bei der Weltmeisterschaft 2026 politisch und emotional unter besonderen Vorzeichen stand, war nach Abpfiff deutlich zu merken, als sich die iranischen Fußballprofis in die Arme schlossen. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Heimat und der jüngsten Nachrichten über ein Rahmenabkommen mit den USA erreichte die Nationalmannschaft am Dienstag (16. Juni 2026) in Inglewood nach zweimaligem Rückstand ein 2:2 (1:1).
Sportlich unterhaltsam begann der Iran das Turnier, an dem das Land beinahe nicht hätte teilnehmen können oder dürfen. "Wir sind nicht glücklich, weil wir denken, dass wir den Sieg verdient gehabt hätten", sagte Torschütze Ramin Rezaeian. "Aber so ist der Fußball manchmal. Ich muss meinen Teamkollegen, meinen Freunden danken, den Menschen im Iran, sie verdienen mehr."
WM-Auftakt für Iran: Ordner kassieren Oppositions-Flaggen ein
Im Interview nach Spielschluss betonte Rezaeian, Fragen zum Fußball zu beantworten. Elijah Just brachte Neuseeland in der 7. und 54. Minute jeweils in Führung - mittenrein in Phasen, in denen eigentlich die iranische Auswahl die Spielkontrolle übernommen hatte. An den Kräfteverhältnissen auf den Rängen änderte das nichts: Südkalifornien gilt als Heimat der größten iranischen Gemeinschaft außerhalb des Irans, entsprechend groß war die Unterstützung. Folgerichtig war der Jubel über die Ausgleichstreffer durch Rezaeian (32.) und Mohammad Mohebi (64.) deutlich lauter.
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Schon vor dem Anpfiff war rund um das riesige Stadion eine besondere Atmosphäre zu spüren gewesen. Unter anderem waren zahlreiche iranische Fahnen aus der Zeit vor der Islamischen Revolution zu sehen, die von der Opposition als Protestsymbol genutzt werden. Zuletzt hatte der iranische Sportminister mit einem Spielabbruch gedroht, sollten derartige Flaggen im Stadion geduldet werden. In der Arena hatte der Weltverband FIFA per Gerichtsbeschluss das Recht, die sogenannte "Löwe-und-Sonne"-Flagge einzukassieren - immer wieder waren Ordner bei entsprechenden Maßnahmen zu sehen. Etliche Fans schwenkten dagegen die aktuelle iranische Fahne, beschlagnahmt wurden auch den Kurs Teherans unterstützende Plakate.
Zu Ausschreitungen kam es nicht, die Stimmung im Stadion mit 70.108 Zuschauerinnen und Zuschauern war friedlich und teils sogar ausgelassen. Die Einigung der USA mit dem Iran auf die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens an diesem Freitag zur Beilegung des Krieges hatte zuletzt die Hoffnung auf Entspannung noch vor der Partie genährt. Viele Details zu der Vereinbarung sind bislang nicht bekannt.
Pfiffe bei Nationalhymne
"Ich freue mich, hier die Menschen im Iran zu unterstützen, ich unterstütze nicht das Regime", sagte ein Fan der Deutschen Presse-Agentur. Während der iranischen Nationalhymne, eigentlich ein Moment der Andacht bei Fußballspielen, waren laute Pfiffe zu hören. Die iranischen Spieler standen geschlossen am Mittelkreis und hielten sich jeweils die Hand auf die Brust. Auf der Ehrentribüne verfolgte FIFA-Präsident Gianni Infantino das Geschehen. Auch nach dem Rückstand waren immer wieder laute "Iran, Iran"-Rufe zu hören, jeder Angriff wurde bejubelt. Wirklich schnell erholen konnte sich die Auswahl von Trainer Amir Ghalenoei jedoch nicht. Zwar versuchte es sein Team immer wieder mit temporeichen Angriffszügen, die Abwehr der Neuseeländer hielt zunächst aber gut dagegen.
Zudem lauerten die Kiwis auf Konter. Irans Torwart Alireza Beiranvand rettete gegen Liberato Cacace (30.). Der Iran hat das große Ziel, bei der siebten WM-Teilnahme erstmals die Vorrunde zu überstehen. Rezaeian belohnte die wieder stärker werdenden Angriffsbemühungen des Ghalenoei-Teams gut eine Viertelstunde vor dem Pausenpfiff. Die Strapazen und Querelen der Vorbereitung mit der Verlegung des WM-Quartiers nach Mexiko sowie der langen Phase der Unsicherheit vor der Einreise in die USA schienen beim Torjubel weit entfernt.