Nürnberg
Begrünung

Nürnberg stellt neue mobile Bäume auf - und bleibt trotzdem graueste Großstadt Deutschlands

Die Stadt Nürnberg ersetzt Parkplätze durch Kirschbäume. Das ändert allerdings nichts am unrühmlichen Titel der Stadt: Trotz inzwischen 60 mobiler Bäume bleibt Nürnberg im nationalen Vergleich die graueste Großstadt Deutschlands.
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Christian Vogel, Nürnbergs zweiter Bürgermeister, und Frank Büttner, Abteilungsleiter Marketing der Sparda-Bank Nürnberg, pflanzen ein paar Tulpenzwiebeln in einen der 20 Kübel mit Japanischen Kirschblüten, die seit wenigen Tagen in der Wölckernstraße stehen. Vier Bäume hat die Sparda-Bank gespendet. Foto: Jasmin Siebert
Christian Vogel, Nürnbergs zweiter Bürgermeister, und Frank Büttner, Abteilungsleiter Marketing der Sparda-Bank Nürnberg, pflanzen ein paar Tulpenzwiebeln in einen der 20 Kübel mit Japanischen Kirschblüten, die seit wenigen Tagen in der Wölckernstraße stehen. Vier Bäume hat die Sparda-Bank gespendet. Foto: Jasmin Siebert

Bäume statt Parkplätze in Nürnberg: Seit ein paar Tagen stehen 20 Kübel mit Japanischen Blütenkirschen in der Wölckernstraße. Auch wenn die fast kahlen Bäume mit ihren schmalen Stämmchen und arg zurückgeschnittenen Ästen noch etwas kläglich wirken - es ist ein Anfang.

Erste Bäume in der Wölckernstraße

In der Wölckernstraße, einer der geschäftigsten Straßen der Südstadt, gab es bisher keinen einzigen Baum. "Es war längst überfällig, dass sich hier etwas tut", sagt Christian Vogel, zweiter Bürgermeister, bei einem Pressetermin am Dienstag. Mit den mobilen Bäumen sei nun ein erster Schritt gemacht. Zehn Kirschbäume stehen auf jeder Straßenseite zwischen Allersberger Straße und Pillenreuther Straße. Vier davon hat die Sparda-Bank spendiert, die bereits andere Umweltprojekte der Stadt gefördert hat.

Die Japanischen Blütenkirsche sei wegen ihrer Schönheit und ihrer idealen Wuchsform ausgewählt worden, erklärt André Winkel, Pressesprecher vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR). Wegen der Oberleitungen der Straßenbahn dürfen die Bäume nicht zu hoch werden.

Die Kirschbäume entfalten in den ersten warmen Frühjahrstagen eine üppige Blütenpracht. In ihrer Heimat Japan feiern die Menschen in dieser Zeit Kirschblütenfeste. Nach wenigen Tagen fallen die Blütenblätter jedoch schon wieder zu Boden.

Umweltschützer wünscht sich "echte Bäume" für Nürnberg

Die Bäume haben nicht nur eine ästhetische und ökologische Funktion. Ihre Kübel dienen auch als Sicherheitspuffer für Fußgänger und markieren die neuen Parkplätze. "Eine mutige Aktion" lobt Mathias Schmidt vom Bund Naturschutz die mobilen Bäume in der Wölckernstraße. Schließlich stößt man nicht nur auf Begeisterung, wenn plötzlich 20 Parkplätze verloren gehen. Er sei erfreut, dass die Stadtplaner endlich umdenken, sagt Schmidt, doch "noch schöner wäre es, wenn es natürliche Bäume wären".

Denn eigentlich hält der Naturschützer, der vor 27 Jahren die Projektgruppe "Straßenbäume in Nürnberg" ins Leben gerufen hat, nichts von Pflanzen in Kübeln. "Das lenkt von der Anstrengung ab, echte Bäume in die Erde zu bringen", kritisiert er. Deren Zahl stagniert seit drei Jahren bei knapp 29.000 Stadtbäumen.

 

Nürnberg braucht noch Tausende Bäume

Tausende Bäume wären notwendig, damit Nürnberg ihren unrühmlichen Titel als graueste Großstadt Deutschlands endlich abgeben könnte. Seit 1992 vergleichen Schmidt und andere Ehrenamtliche das Grün in Großstädten. Nürnberg ist jedes Mal Schlusslicht. So auch in der neuesten Studie von 2018, in der 18 Städte verglichen wurden.

Während sich beim Spitzenreiter Karlsruhe statistisch gesehen, nur 4,3 Einwohner einen Baum teilen, sind es in Nürnberg 18,5. Selbst im extrem dicht besiedelten München sind es nur 13,6 Einwohner pro Stadtbaum.

Nur bei der Baumdichte schafft es Nürnberg mit 156 Bäumen pro Quadratkilometer auf den drittletzten Platz. Noch schlechter schneiden nur die Nachbarstädte Erlangen und Fürth mit 141 beziehungsweise 124 Bäumen pro Quadratkilometer ab.

Seit 2016 mobile Bäume in Nürnberg

In der Straßenbaum-Statistik tauchen die Baumkisten noch gar nicht auf, ist portables Grün doch noch ziemlich neu in Nürnberg. Erst 2016 transportierte die Stadt die ersten drei mobilen Bäume auf dem Hallplatz. Inzwischen stehen 60 Kisten mit Bäumen in Nürnberg, zum Beispiel Silberlinden und Felsenbirnen am Aufseßplatz, Platanen am Bielingplatz und Blaseneschen in der Gostenhofer Hauptstraße.

Der anfangs häufig verwendete Begriff "Wanderbaum" ist aber zumindest für die Wölckernstraße irreführend. Die Kirschbäume werden dauerhaft dort bleiben, verspricht André Winkel von SÖR. Allerdings müssen die Bäume umgetopft werden, wenn die Kübel zu klein werden. Damit sei aber erst in etwa 15 Jahren zu rechnen, so Winkel. Schmidt vom Bund Naturschutz hofft darauf, dass spätestens dann der Asphalt aufgebrochen wird, um die Bäume dorthin zu pflanzen, wohin sie eigentlich gehören: in die Erde.

Vor einigen Tagen entdeckte der Nürnberger Bürgermeister eine "Hakenkreuz-Binde" auf der Straße - und reagierte sofort.

 

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