Mühlhausen
Sanierung

In die Synagoge soll wieder Leben einziehen

Irina Gerschmann und Christian Plätzer wollen einen Verein gründen, der sich des 1754 errichteten Gebäudes in Mühlhausen annimmt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die einstige Synagoge wird - auch in der bayerischen Denkmalsliste - auf das Jahr 1754 datiert.Evi Seeger
Die einstige Synagoge wird - auch in der bayerischen Denkmalsliste - auf das Jahr 1754 datiert.Evi Seeger
+5 Bilder

Als in der Reichspogromnacht im November 1938 in ganz Deutschland die Synagogen brannten, blieb sie verschont. Wohl, weil eine Brandschatzung bei der dichten Bebauung viel zu gefährlich gewesen wäre. Auch danach blieb das im Schatten des Schlosses stehende Gebäude weitgehend unangetastet. Die Synagoge von Mühlhausen ist daher eine der am besten erhaltenen in der Region.

Jetzt scheint für das Gebäude, das zuletzt als Lager genutzt wurde, eine neue Zukunft heraufzuziehen. Christian Plätzer und Irina Gerschmann aus Höchstadt wollen sich des Gebetshauses der einstigen jüdischen Gemeinde von Mühlhausen - einer der großen Gemeinden in der Region - annehmen. Am 27. September soll der Verein "Forum Alte Synagoge Mühlhausen" ins Leben gerufen werden. Ein Netzwerk von Verbindungen haben die beiden Höchstadter bereits geknüpft. Auch einen Kreis von Interessierten für die Vereinsgründung gebe es bereits.

Unabhängig voneinander hatte jeder der beiden Nachbarn zunächst das Thema aufgegriffen. Irina Gerschmann, Künstlerin, Designerin und Gründerin der Höchstadter Musikschule, sah sich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verpflichtet, tätig zu werden.

Der Gymnasiallehrer und Historiker Christian Plätzer beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit jüdischer Geschichte und hatte schon im Arbeitskreis des verstorbenen Forschers und Chronisten Johann Fleischmann mitgearbeitet. "Schon wegen Hans" sei ihm die Synagoge ein Anliegen, sagt Plätzer im Pressegespräch.

Jetzt verfolgen Gerschmann und Plätzer gemeinsam ein Ziel: Die Erhaltung und Sanierung der alten Synagoge. Das Gebäude befindet sich derzeit in Privatbesitz. Die Eigentümerin sei jedoch "grundsätzlich zur Veräußerung bereit".

Kulturelle Begegnungsstätte

Ideen für eine künftige Nutzung haben Gerschmann und Plätzer zur Genüge. In erster Linie denken sie an eine kulturelle Begegnungsstätte, einen Erinnerungs- und Lernort. In einem kleinen Museum könne die Geschichte der jüdischen Landgemeinden dokumentiert werden. Dazu eine kleine Bibliothek und ein Archiv, das dem unermüdlichen Erforscher der jüdischen Landgemeinden, Johann Fleischmann gewidmet ist. Das ist aber längst noch nicht alles.

Im Zuge der touristischen Anstrengungen der Gemeinden, könne die Alte Synagoge als historisch einmaliges Denkmal einen Bezugspunkt darstellen. Zumal man sie mit dem jüdischen Friedhof von Mühlhausen verzahnen könnte. Eine Möglichkeit wäre ein Weg, der Orte und Erinnerungsstätten der einstigen jüdischen Gemeinden in der Region verbindet. Der Verein sei notwendig, um das Vorhaben "auf ein gesundes Fundament" zu stellen und als Träger für den Erwerb des Gebäudes. Die zur Sanierung nötigen Gelder könne der Verein natürlich nicht aufbringen. "Wir werden versuchen, das über private Förderung und öffentliche Zuschüsse zu stemmen", sagt Plätzer.

Gebäude in gutem Zustand

Gespräche mit Architekten und Denkmalschutz haben den beiden bestätigt, dass der Zustand der Synagoge sehr gut ist. Das 1754 errichtete Gebäude verfüge im Erdgeschoss über einen großen Betsaal mit barocken Stuckarbeiten und Reliefs, sowie Nebenräumen. Im Obergeschoss befand sich die jüdische Schule und die Rabbinerwohnung. Das riesige Dachgeschoss mit einem gut erhaltenen Dachstuhl, könne man sich als Archiv vorstellen. Christian Plätzer denkt an Veranstaltungen oder Konzerte im ehemaligen Betsaal. "Schloss Weißenstein ausgenommen, finden sie etwas in dieser Qualität in der ganzen Region nicht."

Irina Gerschmann hat zusammen mit der Eigentümerin die Synagoge besichtigt. Sie ist begeistert vom guten Zustand. Der Eingang nach Süden sei zum Heiligen Land hin ausgerichtet. Über dem Eingang finde sich das Wappen des Adelsgeschlechts von Egloffstein. Sie hätten dafür gesorgt, dass sich Juden in Mühlhausen ansiedeln durften. Neben dem Eingang befinde sich der "Hochzeitsstein", die Stelle, an der nach dem Trauungszeremoniell ein Glas zerbrochen wurde zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Irina Gerschmann hat dieses Symbol in das Logo des künftigen Vereins eingearbeitet.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren