Bayern will nicht: Diesen Vorwurf erhebt Martin Truckenbrodt, Vorsitzender des Vereins Henneberg-Itzgrund Franken. Der Verein, der zuletzt mit seinem Bestreben auffiel, Sonneberg an Bayern anzuschließen, macht sich für einen weiteren Schienenlückenschluss zwischen Coburg und dem Südthüringer Raum stark.

Zwischen Coburg und Thüringen gibt es zwei Bahnverbindungen: Die Strecke über Neustadt nach Sonneberg sowie die ICE-Neubaustrecke, an die Coburg per Einschleifung angebunden ist. Allerdings ist der nächste Halt an der Neubaustrecke von Coburg aus gesehen Erfurt - Südthüringen hat hier keinen Anschluss.

Deshalb gibt es seit Beginn der 90er Jahre immer wieder Forderungen nach einem Lückenschluss direkt in den Raum Eisfeld/Hildburghausen. Wo diese neue Schienenverbindung entsteht - ob durchs Lautertal über Eisfeld (wie früher die Werrabahn) oder über Bad Rodach, sei egal, meint Truckenbrodt. Diese Frage sei über ein Raumordnungsverfahren zu klären. "Die Thüringer Landesregierung ist gewillt, ein Raumordnungsverfahren zu starten, das Bayerische Verkehrsministerium allerdings nicht", teilt Truckenbrodt mit.

In der Tat gibt sich das Ministerium zurückhaltend: Für den Bau von Schieneninfrastruktur sei der Bund zuständig, aber der Lückenschluss habe es trotz der Bemühungen in Bayern und Thüringen nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2030 geschafft, teilte die Pressestelle des von Ilse Aigner geführten Ministeriums mit. Bayern und Thüringen hatten sich an der Finanzierung eines Gutachtens beteiligt, dass die IHK zu Coburg in Auftrag gegeben hatte. Der Bund habe die Strecke aber nicht berücksichtigt, weil sie kein ausreichendes Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,0 erziele.

Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg, möchte das nicht so stehenlassen. "Wir haben bereits entsprechende Gespräche geführt und arbeiten weiter daran, dass der Lückenschluss von den Freistaaten Bayern und Thüringen als gemeinsames Infrastrukturprojekt umgesetzt wird", erklärte er auf Nachfrage. Coburg müsse zum Schienenverkehrsknotenpunkt ausgebaut werden, um zweistündliche ICE-Halte in jeder Richtung zu erhalten. Der Schienenlückenschluss würde nicht nur den ICE-Halt sichern (als Zubringer für Reisende aus Südthüringen), sondern käme auch den 10 000 Berufspendlern zugute.

"Für ein Raumordnungsverfahren muss es aber zwingend ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen geben, das das Vorhaben plant und konkretisiert und dann bei den zuständigen Landesbehörden das Raumordnungsverfahren beantragt", heißt es aus dem bayerischen Verkehrsministerium weiter. Es habe jedoch weder die DB Netz noch sonst ein Unternehmen Interesse daran, die Strecke zu bauen.
Im Münchner Verkehrsministerium setzt man auf den Ausbau der Busverbindungen. Da seien wiederum die Städte und Landkreise gefragt: Landkreisübergreifende Expressbusverbindungen würden mit bis zu 70 Prozent des Betriebskostendefizits gefördert. Daneben wolle der Freistaat besonders Buslinien fördern, die das Netz im Schienennahverkehr ergänzen. "Welche Linien dort in einer ersten Stufe priorisiert werden, ist auch von der Abstimmung mit den Landkreisen und kreisfreien Gemeinden abhängig." Aus Thüringen gab es zu der Frage Raumordnungsverfahren noch keine Antwort.