Bamberg

Scheherazades aufgeklärte Töchter können auch anders

Lyrikerinnen rockten beim Schamrock-Festival im Theater. Musikalischen Support gab es von "The Come and Go-Gos".
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"The Come and Go-Gos" sorgten dafür, dass die Literatur neben den Worten auch Töne bekam: Haste Töne? Fotos: Barbara Herbst
"The Come and Go-Gos" sorgten dafür, dass die Literatur neben den Worten auch Töne bekam: Haste Töne? Fotos: Barbara Herbst
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Bamberg — Die Kunst ist weiblich und sie ist doppelt gut. Denn Frauen müssen jenseits von Küche, Herd und Pflege oft genug doppelt so gut sein wie die Männer, wollen sie reüssieren. Schamrock, das Festival der Dichterinnen, das am Donnerstagabend im Studio des E.T.A.-Hoffmann-Theaters so richtig ab- und losging, liefert in Bamberg bereits zum zweiten Mal ganz unprätentiös den Beweis, dass Frauen, die in die Öffentlichkeit gehen, sehr oft doppelt gut sind.

Denn sie haben den strengsten Survival-Contest schon bestanden - den vor sich selbst. Männer, so wurde nach charmant-geistreichen und frechen Grußworten von Intendantin Sybille Broll-Pape, Festivalinitiatorin Nora Gomringer und Festivalmacherin Augusta Laar im ersten künstlerischen Beitrag von Lara Ermer deutlich: Männer fragen nicht lang, ob sie für eine Aufgabe gut genug sind. Sie lassen sich das allenfalls von Frauen in ihrem Umfeld bestätigen.

Langwieriger Prozess

Frauen dagegen können, was sie wollen, so sie denn erst einmal vor sich selbst bestanden haben. Das aber kann dauern.

Und dass Scheherazades aufgeklärte Töchter nicht allein für sich sprechen wollen, sondern auch für ihre Geschlechtsgenossinnen, wurde in allen drei wortkünstlerischen Beiträgen des Abends deutlich. Wer allerdings klare Sprache und klares Wort von Lara Ermer, Fee und Svenja Gräfen bis zum Schluss hartnäckig nicht verstehen wollte, dem wurde von der Punk-Formation "The Come and Go-Gos" mächtig eingeheizt.

Diese Punk'n'Roll-Ladies hat Festivalmacherin Augusta Laar im B2-Zündfunk gehört, sich sofort in die Stimmen und den Sound von Marina, Bekki und Isa verliebt und die drei Bambergerinnen dann auch gleich ins Studio des ETA eingeladen. "Wir sind es nicht gewohnt, dass unser Publikum sitzt", erklärt Marina beinahe entschuldigend.

Als der Punk dann aber abgeht, ist klar, warum das so ist. So satt, heftig, unverfälscht und rhythmisch hauen diese drei Frauen ihre Songs raus, dass es das Publikum nur schwer auf den Sitzen hält. Eigentlich möchte man viel lieber die Bühne stürmen und sich bewegen, bewegen, bewegen. Wenn sich das herumspricht, dann wird die Studiobühne des ETA, die schon dieses Mal zu klein war, bei einer weiteren Auflage des Festivals nicht mehr ausreichen.

Protagonistinnen + Verstärkung

Dem bejubelten Auftakt am Donnerstagabend folgte am Freitagnachmittag unter der Leitung von Nora Gomringer eine Gesprächsrunde zum Thema "Einmischen oder politische Lyrik heute". Positioniert haben sich dabei die Protagonistinnen des Eröffnungsabends Lara Ermer, Fee und Svenja Gräfen.

Mirela Ivanova aus Bulgarien und Oksana Sabuschko aus der Ukraine, die zu dieser Gesprächsrunde dazustießen, konnten ein Lied davon singen, wie notwendig und gefährlich Einmischung ist. Den Freitagabend füllte die aktuelle Villa-Concordia-Stipendiatin Antje Vowinckel mit einer Performance.

Um 14 und 19 Uhr

Heute, Samstag, stehen ab 14 Uhr noch die Veranstaltungen "Die Natur der Worte oder Poetry for Future?" in der ETA-Treffbar auf dem Programm und abends ab 19 Uhr in der ETA-Studiobühne Lesungen und Performances.

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