Zeitumstellung bleibt wohl bestehen: So steht es um die Abschaffung
Autor: Lea Mitulla
Deutschland, Freitag, 20. März 2026
Schon 2021 wollte die EU die Zeitumstellung in allen Mitgliedsstaaten eigentlich abschaffen. Es sieht aber ganz danach aus, dass wir die Sommerzeit noch behalten werden.
Zweimal im Jahr müssen die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union – und damit auch Deutschlands – an der Uhr drehen. Ende März stellt man auf die Sommerzeit um, und Ende Oktober wieder auf die Winterzeit. Am 29. März ist es auch in diesem Jahr wieder so weit – und das, obwohl die EU die Zeitumstellung eigentlich abschaffen wollte – nicht zuletzt wegen so einiger gesundheitlicher Nebenwirkungen.
Der Grund, wieso es mit der Abschaffung nicht vorangeht, liegt vor allem in den komplizierten Abläufen der EU-Politik. Wie es zu den EU-Plänen gekommen ist und was bisher dazu geschah:
- 2018: Online-Befragung der EU-Kommission zeigt, eine Mehrheit der EU-Bürger ist für die Abschaffung der Zeitumstellung.
- 2018: EU-Kommission gibt den Vorschlag, die Zeitumstellung abzuschaffen, ins Parlament.
- 2019: EU-Parlament beschließt, den Vorschlag zu unterstützen. 2021 soll die Zeitumstellung abgeschafft werden.
- Seit 2019: Rat der Europäischen Union (Minister der Mitgliedsstaaten) soll über die Umsetzung beraten und sich auf einen gemeinsamen Standpunkt einigen.
- 2021: Geplantes Ende der Zeitumstellung verstreicht ohne Entscheidung. Energiekrise entfacht erneute Diskussionen um die Abschaffung im Parlament.
- 2024: Alle weiteren Termine zur Abschaffung werden vom Vorsitz des Rates der EU von der Agenda gestrichen.
- 2025: Gespräche, die Zeitumstellung abzuschaffen, laufen unter neuem Ratsvorsitz wieder an.
Im Rat der Europäischen Union sind alle Mitgliedstaaten vertreten. Von einer Einigung in der Debatte um die Zeitumstellung ist das Gremium noch weit entfernt. Es wäre die Zustimmung von mindestens 55 Prozent, also mindestens 15 der 27 Staaten, nötig, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Die meisten Verhandlungstexte werden in Brüssel nach fünf Jahren Stillstand zurückgezogen. Damit ist die Abschaffung der Zeitumstellung einer der ältesten offenen Vorschläge.
"Wir glauben, dass eine koordinierte Lösung immer noch möglich ist", sagte die Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen der französischen Presseagentur AFP . Für den irischen Europaabgeordneten Sean Kelly sei es "an der Zeit" für ein Ende der Zeitumstellung. "Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass eine halbjährliche Umstellung der Uhr schlecht für die menschliche Gesundheit, schlecht für Tiere und schlecht für den Straßenverkehr ist", beklagt der konservative Politiker. "Und es ist einfach auch eine große Unannehmlichkeit."
EU will Zeitumstellung abschaffen: Wieso kommt der Vorschlag nicht voran?
Unter dem Ratsvorsitz Polens Anfang 2025 wurden die Erwartungen aber erstmal gedämpft. So solle eine informelle Befragung unter den Mitgliedsstaaten durchgeführt werden, "ob der Vorschlag noch umsetzbar ist." Ein Sprecher des EU-Parlaments bestätigte auf Anfrage des BR, dass im Oktober 2025 über das Thema debattiert wurde. Zypern hat aktuell die Ratspräsidentschaft inne und hat das Thema unter seinen Prioritäten gelistet. Nach einer schnellen Einigung sieht es trotzdem nicht aus.
Griechenland und Zypern wollten zum Beispiel bei der Zeitumstellung bleiben, wie die Tagesschau zuletzt berichtete. Selbst wenn sich alle Länder einig wären, die Umstellung abzuschaffen, gäbe es noch Probleme: Bleibt man auf Dauer bei der Winterzeit - der eigentlichen "Normalzeit" - oder der Sommerzeit? Die EU-Kommission will eine "Fragmentierung" unter den Mitgliedstaaten vermeiden. "Es ist wünschenswert, dass die Mitgliedstaaten die Entscheidungen über die Standardzeit, die jeder von ihnen anwenden wird, in abgestimmter Weise treffen." Das soll den Binnenmarkt schützen und dafür sorgen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten reibungslos funktionieren - trotz der drei unterschiedlichen Zeitzonen in der EU.