Druckartikel: Viele Deutsche kaufen jetzt bestimmte Lebensmittel - wegen "Notlage"

Viele Deutsche kaufen jetzt bestimmte Lebensmittel - wegen "Notlage"


Autor: Agentur dpa, Redaktion

Deutschland, Donnerstag, 23. April 2026

Das Einkaufsverhalten der Deutschen hat sich wegen der hohen Preise stark geändert - besonders bei Lebensmitteln zeigt sich das jetzt deutlich.
Um Geld zu sparen, kaufen viele Deutsche bevorzugt eine Produktgruppe im Supermarkt.


Fischstäbchen, Pommes, Geflügel, Pizza und Brötchen - tiefgekühlte Produkte erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 800 Gramm auf 51,6 Kilogramm, wie das Deutsche Tiefkühlinstitut mitteilte. Der Wert, der bereits im Vorjahr zugenommen hatte, ist damit so hoch wie nie zuvor.

Nach einem Einbruch zu Beginn der Pandemie wächst die Tiefkühlbranche seit 2021 - auch aufgrund gestiegener Preise - und verzeichnet steigende Umsätze sowie neue Rekorde. Im Jahr 2020 lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei knapp 45 Kilogramm.

TK-Produkte werden immer häufiger konsumiert - das ist das beliebteste Produkt

Die Produzenten von Tiefkühlprodukten in Deutschland erhöhten ihren Absatz im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2024 um 2,5 Prozent auf über 4,2 Millionen Tonnen. Die Zahlen basieren laut Verband auf einer Umfrage unter Herstellern und Importeuren. Offizielle Daten liegen nicht vor. "Tiefkühlprodukte sind fest im Einkaufsalltag verankert", sagte YouGov-Konsumforscher Martin Weiß. Knapp 39,3 Millionen Haushalte - und damit nahezu alle - kaufen demnach tiefgekühlte Lebensmittel. Im Durchschnitt wurden 2025 pro Haushalt fast 220 Euro dafür ausgegeben.

Der Umsatz der Hersteller stieg 2025 nominal um 4,5 Prozent auf etwa 23,6 Milliarden Euro - auch bedingt durch Preissteigerungen. Gründe dafür sind nach Verbandsangaben höhere Kosten für Löhne, Energie, Verpackungen und Rohstoffe. Im Zuge des Iran-Konflikts muss die Branche damit rechnen, dass sich die in der Herstellung und Lagerung energieintensiven Produkte weiter verteuern. Wie stark sich das auswirkt, lässt sich derzeit nicht sagen, teilte der Verband mit.

Etwa die Hälfte von Umsatz und Absatz der Tiefkühlbranche entfiel 2025 auf den Außer-Haus-Markt. Dazu gehören Restaurants, Cafés und Gemeinschaftsgastronomie in Kitas oder Altenheimen. Der Rest verteilt sich auf Supermärkte, Discounter und Heimdienste wie Bofrost, die Tiefkühlprodukte liefern. Die Tiefkühlpizza bleibt das beliebteste Produkt der Branche im Lebensmittelhandel. Im Jahr 2025 wurden fast 400.000 Tonnen verkauft - gut ein Prozent mehr als im Vorjahr.

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Auch bei anderen Warengruppen stieg die Nachfrage im Handel, etwa bei Fisch, Geflügel, kompletten Fertiggerichten, Brot und Brötchen sowie Obst. Seltener gekauft wurden hingegen anderes Fleisch, Eintöpfe und Suppen sowie Teige. Mit Blick auf den Pro-Kopf-Verbrauch entfallen laut Verband die größten Anteile auf Backwaren (13,7 Kilogramm) und Gemüse (6,4 Kilogramm). Speiseeis ist nicht in den Zahlen enthalten. Die Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstituts, Sabine Eichner, sieht Veränderungen in den Konsumgewohnheiten: "Die Verpflegung zu Hause, insbesondere mit Fertiggerichten, hat weiter zugenommen." Das Deutsche Tiefkühlinstitut ist der Interessenverband der Branche. Mitglieder sind bekannte Hersteller wie unter anderem Apetito, Bofrost, Coppenrath & Wiese, Dr. Oetker, Iglo, McCain und Wiesenhof.

Einen positiven Einfluss habe der zunehmende Einsatz von Airfryern. Viele Menschen bereiten ihr Essen mit der Heißluftfritteuse zu, die oft schneller und energiesparender als der Backofen ist. Stefan Kabisch, Ernährungsforscher der Berliner Charité, beobachtet weitere Trends. Bei tiefgekühlten Lebensmitteln, die viele weitere Zutaten oder eine aufwendigere Verarbeitung erfordern, ist eher ein Rückgang zu verzeichnen. "Diese Entwicklung spiegelt die soziale Notlage vieler Haushalte wider."

Den Menschen fehlt Geld für frische, gesunde Lebensmittel. Da die Preise in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, ist es für immer mehr Haushalte schwierig, selbst und gesund zu kochen, sagt Kabisch. Wegen des Iran-Konflikts wächst die Sorge vor weiteren Teuerungen. Ein Supermarkt hat jetzt Rabatte für Rentner eingeführt, um etwas gegen Altersarmut zu tun. 

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