Traditionsbetrieb Reemtsma schließt Werk - 600 Mitarbeiter verlieren Job
Autor: Agentur dpa, Julian Drescher
Langenhagen, Mittwoch, 25. März 2026
Der Tabakhersteller Reemtsma schließt sein letztes Werk in der Bundesrepublik. Hier werden unter anderem berühmte Marken wie Gauloises und West produziert.
Seit 1971 stellt die Fabrik in Langenhagen Zigaretten her. 2027 soll nun Schluss sein. Der Tabakkonzern Imperial Brands plant, sein Reemtsma-Werk in Langenhagen nach erfolgloser Käufersuche zu schließen. 600 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Trotz intensiver und konstruktiver Verhandlungen mit einem Kaufinteressenten sei letztlich keine für die Zukunft des Standorts tragfähige Einigung erzielt worden, teilte das Unternehmen mit.
Im Werk in Langenhagen werden seit Jahrzehnten Marken wie West, Davidoff, Gauloises und John Player Special (JPS) produziert, wie das Unternehmen auf seiner Webseite angibt. Insgesamt seien am Standort mehr als 1700 verschiedene Produkte hergestellt und in über 90 Länder exportiert worden. Damit habe das Werk in der Nähe von Hannover zu den wichtigsten Produktions- und Logistikstandorten von Imperial Brands weltweit gezählt.
Immer weniger Raucher: Zigarettenfabrik schließt - "für uns alle sehr enttäuschend"
Das Unternehmen hatte die Entscheidung zuvor auf einer Mitarbeiterversammlung in Langenhagen bekannt gegeben. "Wir haben in den vergangenen Monaten alle realistischen Optionen intensiv geprüft, um den Fortbestand des Standorts zu sichern", so der bei Imperial Brands für die Lieferkette verantwortliche Manager Sami Naffakh. "Dass diese Gespräche nun leider erfolglos geblieben sind, ist für uns alle sehr enttäuschend." Der Reemtsma-Mutterkonzern hatte bereits im Oktober erklärt, die Schließung des Standorts in Betracht zu ziehen - entweder Verkauf oder Schließung.
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Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit hohen Produktionskosten und unzureichender Auslastung. Langenhagen sei davon besonders stark betroffen. Hintergrund seien rückläufige Produktionsmengen im klassischen Tabaksegment. Sprich: Es rauchen immer weniger Menschen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) übte scharfe Kritik an dem Vorgehen. Die NGG sei zu keinem Zeitpunkt in Gespräche einbezogen gewesen, kritisierte Finn Petersen, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Nord. "Bis heute wissen wir nicht einmal, wer die Kaufinteressenten waren."
Die Mitarbeiter seien über Monate im Unklaren gelassen worden, während ihnen immer wieder Hoffnung gemacht wurde. Imperial Brands wies die Kritik als unzutreffend zurück. Die NGG sei "indirekt auch zu praktisch jeder Zeit über den Status und Fortgang der Gespräche informiert" gewesen - dabei seien Geheimhaltungsvereinbarungen mit dem Kaufinteressenten respektiert worden. Dieser habe leider kein verbindliches Angebot vorgelegt.
Geht Reemtsma ins Ausland? Gewerkschaft kündigt Widerstand an
Die Gewerkschaft NGG hatte bereits im Oktober Widerstand gegen die Pläne angekündigt. Als letztes Reemtsma-Werk in Deutschland komme dem Standort eine besondere Bedeutung zu.
Damaligen NGG-Angaben zufolge plante Reemtsma eine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Das Werk in Langenhagen wurde 1971 eröffnet und blickt damit auf über 50 Jahre Produktionsgeschichte zurück.