Aus einem 1904 gegründeten Traditionsbetrieb ist im Laufe der Jahre eine bekannte Bäckereikette geworden. Nun gerät das Unternehmen jedoch wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten unter Druck.
Die 1904 gegründete Rudolf Neff GmbH, eine Bäckerei-Kette mit Sitz in Karlsruhe und über 120-jähriger Unternehmensgeschichte, hat beim Amtsgericht Karlsruhe ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt. Am 24. Februar 2026 gab das Gericht diesem Antrag statt und bestellte Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Sachwalter. Dieser soll das Verfahren im Sinne der Gläubiger überwachen. Eine Bäckerkette aus dem Sauerland musste jüngst komplett den Betrieb einstellen.
Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen weiterhin in Familienbesitz und betreibt 19 Filialen in Karlsruhe und der Region. Produktion, Belieferung und Verkauf liefen an allen Standorten laut Mitteilung ohne Einschränkungen weiter. Die Löhne der rund 200 Beschäftigten seien für Februar bis April 2026 über Insolvenzgeld abgesichert; danach wolle das Unternehmen die Gehälter wieder selbst zahlen. Zudem sei die Finanzierung für die kommenden Monate den Angaben zufolge gesichert.
"Massive Kostensteigerungen": Bäckerei Neff erklärt Hintergründe zur Insolvenz
Die Sanierungsexperten Jens Lieser und Alfred Kraus sind für die betriebliche Fortführung und die Ausarbeitung eines Sanierungsplans zuständig. Auf einer Betriebsversammlung informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft über das Verfahren und die nächsten Schritte. Als Ziel des Eigenverwaltungsverfahrens werden eine langfristige Sanierung und die Fortführung des Betriebs genannt.
Die Geschäftsführung teilt mit, sie wolle in Zusammenarbeit mit den Sanierungsexperten und dem vorläufigen Sachwalter tragfähige Lösungen erarbeiten. Der Generalhandlungsbevollmächtigte Jens Lieser erklärte zudem, dass ein Sanierungsplan erstellt werde und "in den kommenden Monaten alles getan werde, um eine nachhaltige Sanierung und Fortführung zu erreichen".
Wie zahlreiche andere handwerkliche Bäckereibetriebe habe auch die Rudolf Neff GmbH "massive Kostensteigerungen" seit Beginn des Ukrainekriegs zu verzeichnen. Die Energiepreise, so die Pressemitteilung, seien im Vergleich zu vorher um bis zu 500 Prozent gestiegen.
So soll es bei der Karlsruher Bäckereikette weitergehen
Zudem hätten gestiegene Rohstoffpreise – insbesondere für Mehl – die Situation zusätzlich verschärft. Diese Mehrkosten habe man nur in geringem Umfang an die Kunden weitergeben können, da dies andernfalls mit weiteren Umsatzverlusten verbunden gewesen wäre. Weiter führt das Unternehmen aus, dass "seit Jahren der zunehmende Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk, die körperlich anspruchsvolle Arbeit mit Nacht- und Wochenendschichten sowie die jüngsten Erhöhungen des Mindestlohns" die wirtschaftliche Situation erschweren würden.
Besonders kleinere und mittelgroße Betriebe seien betroffen. Laut Generalhandlungsbevollmächtigtem Alfred Kraus sieht die Geschäftsleitung dennoch Chancen für das Fortbestehen der Bäckerei. Das Gericht habe das Eigenverwaltungskonzept befürwortet. Ziel sei ein Neuanfang mithilfe der vorgesehenen Instrumente des Insolvenzrechts.