Schoko-Osterhasen heuer unbezahlbar? Hersteller rechtfertigen sich
Autor: Agentur dpa, Strahinja Bućan
Deutschland, Dienstag, 10. März 2026
Eigentlich ist Kakao wieder etwas billiger geworden. Dennoch sind Schoko-Osterhasen schon fast ein Luxus-Produkt. Die Hersteller haben ihre eigene Erklärung parat.
Kaum einer mag es glauben - tatsächlich Verbraucher stehen in diesen Tagen im Supermarkt vor einem Rätsel. Schokolade ist zuletzt teilweise wieder etwas billiger geworden, die Preise für Osterhasen sind allerdings kräftig gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur. Verglichen wurden Produkte der großen Marken Lindt, Milka, Kinder und Ferrero. Sonderangebote und Eigenmarken wurden nicht berücksichtigt.
Das Ergebnis: Die Preise sind je nach Größe und Marke 7 bis 29 Prozent höher als vor einem Jahr. Auch der wohl bekannteste Schokohase der Nation von Lindt kostet mehr. Die 100-Gramm-Version legt im Vergleich zum Vorjahresmonat um 70 Cent (+16 Prozent) zu, die mit 50 Gramm um 50 Cent (+18 Prozent). Für ein Kilo Schokolade sind beim sogenannten Goldhasen hochgerechnet nun bis zu 65 Euro fällig. Die Produkte der bekannten Markenhersteller waren bereits im vergangenen Jahr teurer geworden.
Schokohasen extrem teuer - trotz gesunkener Kakao-Preise
Die Rohkakaopreise an den Börsen sind zuletzt wieder deutlich gesunken, weil in Westafrika mehr Kakao geerntet wurde. Der von der internationalen Kakaoorganisation (ICCO) ermittelte Tagespreis lag Anfang März bei knapp 2.600 Euro pro Tonne - also etwa auf Vorkrisenniveau von 2023. Experten begründen dies auch mit der schwachen Nachfrage und rechnen sogar mit einem Überangebot. Supermärkte und Discounter haben kürzlich die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte reduziert. Warum wurden die Schoko-Osterhasen trotzdem teurer?
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Hersteller Lindt & Sprüngli teilt auf Nachfrage mit, dass Kakao langfristig eingekauft werde, um eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zu gewährleisten. "Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden." Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass andere Kosten, etwa für Rohstoffe wie Nüsse und Verpackungen, weiterhin hoch seien. Um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, seien "sorgfältig abgestimmte, marktspezifische Preiserhöhungen" nötig.
Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie wirken sich Rohpreisentwicklungen oft erst nach mehreren Monaten im Handel aus. Trotz sinkender Preise an der Börse zahlten viele Unternehmen "weiterhin die höheren Preise, die im Laufe des Jahres 2025 vereinbart wurden". Eine Anfrage an Milka-Hersteller Mondelez blieb unbeantwortet. In den vergangenen Jahren hat sich Schokolade stark verteuert. Wegen befürchteter Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter stieg der ICCO-Tagespreis 2024 zeitweise auf deutlich mehr als 10.000 Euro pro Tonne. Hersteller und Händler gaben die gestiegenen Rohstoffkosten an Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im Januar 70 Prozent teurer als 2020, Riegel und andere Schokoladenerzeugnisse 75 Prozent.
Immer weniger Kunden kaufen Schokolade - Gewinne bei Herstellern steigen trotzdem
Die höheren Preise schrecken Verbraucher ab, sie griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Laut einer YouGov-Umfrage isst jeder Zweite deutlich oder etwas weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur fünf Prozent mehr. Laut dem Marktforscher NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade hingegen um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft - erheblich mehr als im Vorjahr. Im Frühjahr 2025 reagierten Verbraucher ebenfalls spürbar auf die Preissteigerungen. Im Ostergeschäft brach der Absatz bei saisonalen Schokoladenprodukten laut NIQ im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein. Übrigens hat Branchen-Riese Mondelez erst kürzlich wieder einen Schmäh-Titel für eines seiner Kult-Produkte kassiert.
Die Hersteller spüren die Kaufzurückhaltung. Ritter Sport schrieb 2025 trotz Umsatzwachstums rote Zahlen. Mit kräftigen Preiserhöhungen bei Schokolade hat hingegen der Schweizer Hersteller Lindt & Sprüngli im vergangenen Jahr deutlich mehr Gewinn gemacht. Die Preisaufschläge von gruppenweit 19 Prozent begründet das Unternehmen unter anderem mit den gestiegenen Kakaopreisen. Der Reingewinn lag 8,1 Prozent höher als im Jahr zuvor bei 726,7 Millionen Franken (806 Mio. Euro). Lindt & Sprüngli ist für seine Lindorkugeln sowie Premium-Schokolade bekannt. Ostern gehören die in goldenes Papier eingepackten Osterhasen zu den Markenzeichen. Als Erfolg bezeichnet das Unternehmen auch seine Lindt Dubai Style Schokolade. Das Unternehmen bezeichnete die 19 Prozent Preisaufschlag noch als moderat. Die Einkaufspreise seien noch deutlicher gestiegen. Nur Effizienzsteigerungen und Kostenkontrolle hätte einen noch höheren Preisanstieg verhindert. Der Ausblick bleibt, trotz wieder gefallener Kakaopreise, ungewiss, sagt Lindt & Sprüngli. Das Unternehmen rechnet mit weiter steigenden Verpackungs- und Transportkosten und stellt keine Entspannung bei den Preisen in Aussicht.