Personalausweis auf dem Handy: Digitale Brieftasche startet Anfang 2027
Autor: Stefan Lutter, Lea Mitulla
Deutschland, Freitag, 16. Oktober 2026
Der Bundestag hat eine gesetzliche Grundlage für die Einführung einer digitalen Brieftasche beschlossen. Mit der "d-you"-App sollen Identitätsnachweise auf dem Smartphone gespeichert werden können.
Der Bundestag hat am Donnerstag, 15. Oktober 2026, das Digitale Identitätengesetz verabschiedet. Das geht aus der entsprechenden Veröffentlichung des Deutschen Bundestags hervor. Das Gesetz soll die nationale Rechtsgrundlage für "d-you" schaffen – Deutschlands staatliche Umsetzung der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet), wie das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung mitteilt.
Die neuen Regeln sind damit noch nicht automatisch in Kraft; sie greifen erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens. Mit der App, die im Gesetzentwurf (im pdf-Format) als "Digitale Brieftasche" bezeichnet wird, sollen digitale Nachweise künftig online und bei teilnehmenden Stellen vor Ort nutzbar sein. Die Anwendung bleibt freiwillig und ersetzt den physischen Ausweis nicht pauschal.
Digitaler Personalausweis auf dem Handy: Wann "d-you" startet
Der Start der App namens "d-you" ist für den 2. Januar 2027, geplant. Deutschland setzt damit eine Verordnung der Europäischen Union um, nach der jeder Mitgliedstaat bis Ende 2026 mindestens eine digitale Brieftasche bereitstellen oder zertifizieren muss. Die staatliche Wallet soll kostenfrei und freiwillig nutzbar sein. Nach Angaben des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung sollen rund 40 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit konkreten Anwendungen bereitstehen.
Grundsätzlich soll die Smartphone-App die digitale Identifikation gegenüber Behörden, Dienstleistern oder Vertragspartnern vereinfachen. Durch diese sogenannte eID könnten perspektivisch beispielsweise Online-Anträge bei Behörden, die Eröffnung von Bankkonten, der Abschluss von Verträgen oder das Einkaufen im Internet erleichtert werden. Auch die Nutzung von Plattformen, die einen Altersnachweis erfordern, würde unkomplizierter möglich sein.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) betont: "Mit d-you entwickeln wir eine digitale Anwendung, die echten Mehrwert bietet, den Menschen in den Mittelpunkt stellt und Vertrauen schafft."
Was die App bieten soll – Unklarheit beim Führerschein
Welchen Funktionsumfang die neue Wallet-App zum Start haben soll, steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht fest. Sicher ist: Die erste Ausbaustufe konzentriert sich auf die Ausweisfunktion und "ausgewählte digitale Nachweise", wie die FAQ der offiziellen EUDI-Wallet-Website erläutern. Weitere Funktionalitäten, darunter Signaturen und zusätzliche Nachweise wie Gesundheitskarten oder Bildungszertifikate, die Zahlungsautorisierung sowie Funktionen zur Pseudonymisierung, würden demnach nach dem Start im Jahr 2027 schrittweise ergänzt.
Unklar ist derzeit, wie es mit dem "digitalen Führerschein" aussieht, also der elektronischen Version des klassischen Scheckkarten-Führerscheins auf dem Smartphone. Laut EUDI-Wallet-Website gehört die "Nutzung von unterschiedlichen digitalen Nachweisen, wie z. B. dem digitalen Führerschein" zur ersten Stufe der App, nennt aber kein konkretes Startdatum. Der WDR berichtet, dass der Führerschein "ab Anfang 2027 zusätzlich in die staatliche Wallet wandert", laut BR24 können "Führerschein, Personalausweis und weitere Nachweise" bereits "ab dem 2. Januar gespeichert werden". Auch das Karlsruher Portal "ka-news" schreibt, der digitale Führerschein solle schon "zum Start verfügbar sein".